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 Schachfiguren Tutenchamun Pharao von Ars-Bavaria
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Doppelangriff von Bauer auf Springer


Vom Wert her ist der Springer dem Bauer überlegen (1S= ca. 3B) und wenn es im Mittelspiel gilt, eine Blockadefigur (Eine Figur, die direkt und vertikal vor dem Bauer steht) gegen einen feindlichen Bauern zu wählen, ist der Springer erste Wahl. Dagegen ist es für den Springer - verglichen mit anderen Figuren - infolge seiner besonderen Gangart schon schwieriger, allein einen Freibauern (Ein Bauer, der von gegnerischen Bauern unbehindert zur Grundlinie durchlaufen kann) zu stoppen. Und wenn er von einem Bauern auf dem falschen Fuß erwischt wird, gibt es nicht Hilfloseres als den Gaul. Zwei Formen des Doppelangriffes auf den Springer sind vorstellbar: Der Grundreihenangriff und die Bauer-Springer-Gabel, bei der ein Bauer gleichzeitig zwei Springern das Licht auszublasen droht.

Der Grundreihenangriff









Der Grundreihenangriff auf den Springer besteht in der Doppeldrohung, sowohl den einzelnen Bauern zur Dame (oder was auch immer) zu befördern als auch den diagonalen Gaul auf der Grundlinie zu schlachten. Das dieses allein mit den gutmütigen Rossen möglich ist, davon sollte man sich überzeugen: Der Springer kann sich nämlich im Gegensatz zu den anderen Figuren nicht gleichzeitig gegen den Meuchelmord wehren und das Einzugsfeld des Freibauern kontrollieren. Da die Voraussetzung für diese Doppeldrohung eine gegen die Damenumwandlung unzureichend verteidigte Grundreihe ist, ist dies elementare taktische Motiv eher bei bereits stark reduziertem Material anzutreffen. Da die korrekte Form für den erfahrenen Turnierspieler offensichtlich ist und annähernd immer vernichtend wäre, fällt es schwer, elementare bzw. "reine" Beispiele aus der Turnierpraxis zu präsentieren. Trotzdem fand ich wenigstens ein schönes Beispiel aus der Turnierpraxis, gemischt mit zwei anderen elementaren taktischen Motiven, der "Beseitigung von Verteidigungsfiguren" bzw. der "Hinlenkung" :

Menyhart - Szabo, Debrecen 1998








Stellung nach 35. ... Te8

Zuerst wird der Springer in die passende Position gebracht bzw. die Grundreihe von der Verteidigung gegen den Freibauern entblößt, dann kommt der Grundreihenangriff: 36.Dxe8 Sxe8 37.d7 Kf7 38.d8D und Weiß gewann schnell. Der nächste Gaul bitte !

Novgorodskij - Burmakin, Petersburg 1997








Stellung nach 39. Kg2

39...d2 40.Sf3 Das sah auf den ersten Blick gar nicht aus wie ein Doppelangriff auf Springer und Grundreihe, blockiert doch der schwarze Turm das Umwandlungsfeld d1. Wir lernen jedoch jetzt flüchtig ein weiteres taktisches Motiv kennen, daß man als "Räumung von Feldern" bezeichnen könnte (Jaja, ich weiß, Sie kennen das natürlich. Aber vielleicht hat ja Ihr Surferkollege von t-online, der gerade vorbeischaut, weniger Schachpraxis ?!) Und genau das tut der schwarze Turm: Er räumt mit Tempogewinn das Umwandlungsfeld: 40...Tg1+ und schon ist das Feld frei ! Es geschah noch 41.Kxg1 d1D+ 42.Kg2 Dd5 0-1. Und noch ein nicht ganz so "glattes" Beispiel:

Levtchouk - Olszewski, North Bay 1998








Stellung nach 34. Sxc3

34...Ta3 35.Sd1?! Das macht´s kurz und schmerzlos. Ebenfalls eine lehrreiche Anekdote wäre 35.Se2 Sxe2 36.Lxe2 Ta2 und wir können schon einmal einen Vorgeschmack auf die besonderen Röntgenangriffstechniken des Turms erhaschen. Auch eine Art Doppelangriff auf Springer und durch den Gaul "hindurch" auf den Läufer. Etwas hartleibiger als der Textzug wäre 35.Tc1 Sfd3 mit Springergabel auf Tc1 und Bb4 gewesen, jedoch würde der Bauer über kurz oder lang in den schwarzen Rachen fallen und das Schicksal des Weißen besiegeln. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. In der Partie kam´s, wie es uns passt: 35...c3 Weiß versucht noch eine Ausrede, doch... 36.Tb3 c2 0-1. Na ja, da wir gerade beim Springer sind, könnten wir ja auch noch folgende Tolpatschigkeiten studieren, es sei denn, Sie wollen zurück zu den Schachquickies:

Die Bauer-Springer-Gabel









Der Springer ist eine leichte Beute des einzelnen Bauern, weil er relativ hilflos ist, wenn er von einem Bauern beim tete-a-tete mit einem anderen Gaul erwischt wird, während der angreifende Bauer gegen seine potentielle Beute nicht verteidigt werden muß. Da hilft nur schnelle Flucht, Kontrolle oder Blockade des Gabelfeldes - oder aber die beiden Springer haben eine gute Ausrede. In der Regel wird eine derartige Gabeldrohung um so gefährlicher, je weniger Material noch auf dem Brett ist - einfach, weil dem Pferdefreund die Ausreden ausgehen. Auf Turnieren ist die "tödliche" Form der Gabel ein seltener Gast, ist sie doch zu offensichtlich.

Manchmal aber vergessen Spieler tatsächlich, wie hilflos zwei Springer gegen einen Bauern sein können. So bei einem Schülerturnier irgendwann in den Siebzigern:

Siebe - ??? oder sogar ??? gegen Siebe ? Kann das Partieformular nicht mehr entziffern, der Kopf ist weggeschimmelt...








14.Dxa5 Sxa5 15.b4 und futsch ist ein Gaul.

Vorsicht also bei Tauschgeschäften. Darauf achten, wie die Figuren zu stehen kommen ! Meistens wird die Drohung jedoch durchaus gesehen, doch muß das Springerduo aus anderen Gründen stillhalten:

Scherer, H. - Messmer, M.
Kirchheim 1997








Stellung nach 22. ... O-O-O

Die schwarze Stellung hält nur noch mühsam zusammen, der weiße Turm in Kooperation mit Bd6 und Le4 macht Druck auf die Punkte c6 und c7... und die Springer bilden das typische Duo. Somit findet sich schnell der Zug, mit dem Weiß Schwarz das Leben noch schwerer machen kann:

23. b4 Schwarz kann das Gabelfeld b5 nicht blockieren und den weiteren Vorstoß des b-Bauern vermeiden. Obendrein ist der Sc6 in der c-Linie sozusagen gefesselt, weil sonst der Turm auf c7 einschlägt. cxd6 Was soll Schwarz auch tun ? 23...b5 läßt den Sc6 hängen, flieht einer der Gäule nach b8, muß der verbliebene Rappe nach 24.b5 wg. Txc7# stillhalten. Der Rest des Liedes nur mit Melodie:24. b5 d5 25. Lf5+ Kc7 26. bxa6 The8 27. Tb4 Tb8 28. Txb7+ Txb7 29. axb7 Kxb7 30. Ld7 Sxe5 31. Tb1+ 1-0
In vielen Eröffnungen kommen Springer in der typischen Formation zu stehen und nicht selten sind dann auch Gabeln möglich, meistens jedoch keine "tödlichen". Denn die erfahrenen Turnierspieler haben die Drohungen meistens im Auge und für den Fall der Fälle eine "Ausrede" parat. Angriff ist da die beste Verteidigung:

Fries Nielsen - DeFirmian, Stockholm 1998








Stellung nach 22.axb4

Schwarz spießte die Springer mit 22...b5 zwar auf, doch Weiß hatte vorgesorgt und griff nun seinerseits eine Figur von Schwarz an: 23.Sc5. Schwarz drohte nun nicht nur den Le6 zu schlagen, sondern damit auch eine andere, ebenfalls häufige Form der Gabel: Die Springergabel mit gleichzeitigem Angriff auf die Dd8 und den Tf8. Schwarz ließ also lieber seine Finger von dem zurückgebliebenen Pferd. Es folgte noch: 23... Lf7 24. Sa5 Dd6 25. Tc1 Tfc8 26. Sab7 Dc7 27. Sa5 Dd6 28. Sab7 Dc7 29. Sa5 Dd6 1/2-1/2
Die zwingendste Form der Ausrede ist natürlich ein Schach durch einen der "aufgegabelten" Springer, aber an sich tut es jede noch so komplizierte (und korrekte !!) Drohung, die einen der Gäule aus der Formation ausscheren läßt. Aber wehe, die Ausrede wurde nicht genügend durchdacht ! Gegen derartige "Sorglosigkeit" sind auch Bundesligaspielerinnen nicht gefeit:

Vidonyak - Ankerst, Damen-BL 1997








Stellung nach 23. ... De5

Die weiße Stellung war natürlich nicht gut, vielleicht kam auch Zeitnot hinzu - jedenfalls zog Weiß 24.Sh4? und wurde mit ...g5 aufgespießt. Und wie ist es mit der Ausrede ? 25.Sf3 Garde ! sagte man früher. Doch manch´ Ausrede ist fadenscheinig, denn der tödliche Bauer auf g5 kann sich im Schlaraffenland wähnen. Denn: Weicht der Springer auf f4, kriegt unser Agrarökonom mit ...g4 immer noch ein Gabelfrühstück. Schwarz - bald mit Mehrfigur - nützte die Gelegenheit, auch noch die Damen zu tauschen. Vereinfachung bei Materialvorteil verringert (in der Regel) die Schwindelchancen des Gegners ! 25...Dc5 Auch eine Form des Doppelangriffes - auf a3 und f2. 26.Dxc5 bxc5 27.Sxg5 Sxg5 und Schwarz gewann (45).

Ist die "tödliche" Bauern-Springergabel selten als Teil der "großen Kombination" zu finden, so erscheint sie um so häufiger als Element der "petit combination", als taktisches Mittel zum Bauerngewinn, zur Entlastung oder anderer positioneller Ziele:

Faibisovich - Pigusov, Swidnica 1997








Stellung nach 14. Sc4

Schwarz steht etwas gedrückt, insbesondere durch den Bauern d6. Es folgt ein typisches Mannöver zur Befreiung, bei dem Schwarz - übertrieben gesagt - kurzfristig eine Figur opfert: 14...Sxe4 Schwarz stellt sich die weiße Kavallerie in Position. 15.Sxe4 d5 Eigentlich ist dieses Mannöver nur ein Abtausch, den Schwarz forciert einleitet. Es geschah noch 16.Sed4 dxc4 17.Lxc4 Dc6 und man einigte sich auf die Punkteteilung. Ein geringfügig komplexeres Beispiel:

Zilberstein - Cusi, San Francisco 1998








Stellung nach 15. Se4

Gäule in Position ? Also los ! 15...Sxd5 16.Dxd5 Le6 Der Gabelvorstoß muß erst vorbereitet werden. 17.Dd3 d5 18.Scd2 dxe4 19.Dxd8 Txd8 20.Sxe4 und Schwarz hat tatsächlich eine vorteilhafte Stellung erreicht, da er die d-Linie mit dem Turm beherrscht und seine Läufer - insbesondere jener auf der Diagonale a1-h8 - sehr gut stehen (0-1/40).

Wenn der Blick für das Motiv geübt ist, sollte die Fortsetzung im nächsten Zug keine großen Probleme mehr bereiten:

Ng Tse Han - Sakr, Genting 1998








Stellung nach 17. ... Dd8

18.Lc4 Auch wenn es diesem Läufer an Distanz mangelt, so attackiert er doch den Bauern d5. 18...dxc4 Nach 18...Sc7? 19.Sg5 Tf7 20.Sxf7 verliert Schwarz die Qualität. 19.d5 Sxe5 Nicht empfehlenswert ist 19...Scd4 20.Sxd4 Sxd4 21.Txd4 mit entscheidendem Vorteil für Weiß. Es droht z.B. 22.e6 und 23.Th4. 20...Sxe5 mit großem Vorteil für Weiß, was sich dann auch in der Partie zeigte: Dc7 20... Sg7 21. Sf3 +- 21. Tfe1 Sd8 22. Sf3 Sf7 23. Dh4 a5 24. Txe7 Dd8 25. d6 Lc6 26. Se5 axb4 27. Df6 Le8 28. axb4 Ta6 29. Sxf7 Lxf7 30. Txf7 Dxf6 31. Txf6 Txf6 32. d7 Tfd6 33. d8D+ Txd8 34. Txd8+ Kf7 35. g3 1-0


Copyright © 24.03.2003 Thomas Siebe

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