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 Schachfiguren Tutenchamun Pharao von Ars-Bavaria
Schachfiguren Tutenchamun Pharao
aus Kunststein, handbemalt
Zur Bestellung clicken 202 Surprising Checkmates
von Fred Wilson, Bruce Alberston
Taschenbuch 1998
112 Seiten

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Killerqueen - Mörderdamen !

Von meuchlerischen Blondinen und mordlustigen Afrikanerinnen

Thema dieses Cookies ist die Dame im taktischen Angriff. Was gibt´s dazu noch viel zu labern ? Jaja, die Dame ist die potentiell stärkste Figur auf dem Brett. Ja, sie ist flexibler als die anderen Figuren. Und natürlich wissen wir alle, daß die Berechnung von langen Damenmanövern die größte Konzentration am Brett beansprucht und auch die größte Fehlerquote aufweist. Sonst noch was ? Ach ja, was ist denn eine Killerqueen oder Mörderdame ? Okay, das ist eine Dame, die mit geringer (aktiver) Unterstützung eigener Figuren die Partie gewinnt. Klar, bei dieser Definition gibt´s ´ne große Grauzone, aber die gibt´s bei den Weiblein (Männlein) aus Fleisch und Blut doch auch (Demnächst in diesem Theater: Der Killerking - wirklich via im richtigen Leben) und da wissen Sie doch auch ganz genau: D A S ist eine Killerqueen (Killerking) ! Now, go for it...

Beginnen wir mit einem elementaren Manöver aus den - Bauernendspielen ! Die folgende Lehrbuchstellung zeigt, daß die Dame sicherlich sehr kraftvoll und gefährlich sein kann... wenn sie nicht gerade eine Eckensteherin ist, die von ihrem Gemahl nicht lassen kann. Merken Sie sich diese Stellung gut (Analysieren Sie einfach die Nebenvarianten) - Randbauern genießen die Geringschätzung der Schächer übrigens nicht zuletzt wegen dieses elementaren Mannövers.









Ende eines Bauernwettlaufs

1. e8D a1D 2. De2+ Kc1 3. De1+ Kb2 4. Dd2+ Ka3
11...Kb1 12.Kb3 Die African Queen ist wertlos - Humphrey Bogart und Kathrine Hepburn würden weinen (Oh, das dürften nur die älteren Filmfreaks verstehen). Auch diese Lehrbuchstellung sei aber ein (kleines) Diagramm wert:





5. Db4+ Ka2 6. Db3# Na ja, ganz ohne die huldvolle Unterstützung des Häuptlings kann halt auch die Regentin nicht mattsetzen. Sollte also jemals ein Endspiel König und Dame gegen Dame entstehen, dürfen Sie remis reklamieren :-) . Apropos...

Werner 1987








Weiß am Zug gewinnt

Hier steht die schwarze Dame auf den ersten Blick nicht abseits, aber der schwarze Monarch... Tss,tss,tsss... Auf die Grundlinie und in Opposition zum weißen Kollegen hat er sich drängen lassen und jetzt darf die weiße Amazone alles zeigen, was sie drauf hat ! 1. Da3+ Kg8 Ich weise darauf hin, daß dem schwarzen König schon jetzt die Totenglocke leuten würde, wäre da nicht der heldenhafte Bauer auf g6 ! So einfach sollen Studien ja nicht sein ! 2. Da8+ Kh7 3. Da7+ Kh6 4. De3+ Kh7 5. Dh3+ Kg8 6. Dc8+ Kh7 7. Dc7+ Kh6 8. Dh2+ Dh5 9. Dxd2+ g5 10. Dd3! Zugzwang ! 10...De8 11. Dh3+ Dh5 12. Df5 g4 13. Df4+ Kh7 14. Dc7+ nebst # auf g7 1-0 Sehr instruktiv !

Die folgende Studie zeigt, daß die Dame an sich wenig Unterstützung benötigt, um den gegnerischen König über den Jordan zu schippern - vorausgesetzt, der läßt sich in eine Ecke treiben und seine Gattin wird in´s Abseits manövriert (bzw. steht schon da):

Nach Vandienst 1986








Stellung nach 1...Kxe7

2. De6+ Kd8 3. Dd6+ Ke8

3... Kc8 4. Le6+ Kb7 5. Ld5+ Kc8 (5... Ka7 6. Dc7+ Ka6 7. Lc4#) 6. Dc6+ Kd8 7. Da8+

4. Db8+ Ke7 5. Dc7+ Ke8 6. Lf7+ Kf8 7. Db8+ Kg7 8. De5+ Kh7 Weiß hat sein erstes Etappenziel erreicht: Der König muß in die Ecke, die Dame sozusagen "hinter" ihn. Jetzt muß das Paar noch in die "richtige" Position bugsiert werden (Abzugsschach). 9. Lg6+ Kg8 10. De7 Dg7 11. De6+ Kh8 12. De8+ Dg8 13. De5+ Dg7 14. Dh5+ Kg8 15. Dd5+ Kh8 16. Dd8+ Dg8 17. Dh4+ Kg7 18. Dg5









Stellung nach 18. Dg5

So sollte es sein: Den eigenen Gatten schützend, die dunkle Gegenspielerin zur minimalen Wirkung verdammend droht das bleichgesichtige Frauenzimmer schreckliche Abzugsschachs. Dabei hat sie kunstvoll den schwarzen Tagelöhner auf f4 einbezogen. Der mag es aber nicht, fremden Herrinen zu dienen: 18...f3

18... De6+ 19. Lf5+
18... Db8 19. Lh5+ Kf8
(19... Kh8 20. Df6+ Kh7 21. Lg6+ Kh6 22. Lf5#)
(19... Kh7 20. Dg6+ Kh8 21. Df6+ Kh7 22. Lg6+ Kg8 23. Df7+ Kh8 24. Dh7#)
20. Df6+ Kg8 21. Lf7+ Kh7 22. Dg6+ Kh8 23. Dh6#

19. Kh3 Endlich hat auch Ihro Gnädigste Faulenzität einen Geistesblitz: Seitenschachs würden den gegnerischen Kronkollegen entlasten. So darf denn der schwarze Bauer erst nach seiner Promotion auf der Grundlinie niedergestreckt werden. f2 20. Kg2 f1D+ 21. Kxf1 Df8+ 22. Lf5+ Kf7 23. Dg6+ 1-0

Soweit der Idealfall des Lehrbuchs bzw. der Studien. Typische Motive für die Mörderdame lieferte aber gerade die Turnierpraxis. Dabei gilt, was man erwarten würde: Je stärker die Figur, die unserer Killerqueen assistiert, desto brutaler ist ihre Durchschlagskraft. Den König als Gehülfen haben wir ja bereits erlebt, seine Chance kommt in der Regel erst mit sinkender Bevölkerungsdichte auf dem Brett. Ähnliches gilt für den Turm: Er profitiert einerseits von offenen Linien, andererseits von mutigen (irren) Königen, die kein richtiges Zuhause fanden:

Sass - Bathke, Hamburg 1999








Schwarz am Zug

37... Dh5+ 38. Kg2 Te2+ 39. Kf1 Df3+ 40. Kg1 Dg2# ...und da war keiner, der ihm zur Hilfe eilen konnte.

Und ein weiterer gemauerter Henkersknecht, der dem blutigen Handwerk der Killerqueen die Hand leiht:

Vaisser - Anic , Meribel 1998








Schwarz am Zug

42... Dd4+ 43. Kc1 Te1+ 44. Kc2 Te2+ 45. Kb1 Db2# Es kann nicht schaden, auch das Mattbild nach 45.Kb3 Db2# zu studieren. Es kommt nämlich auch öfter vor als gedacht. Der Bauer b5 modelliert sozusagen eine Grundlinie (-reihe). Nun zum Läufer, dessen Assistenz schon bei den Studien anklang. Hier ein sehr typisches Motiv:

Leitao - de Vreugt, Wijk an Zee 1999








Weiß am Zug

44. Lg8+ Kh8 45. Lf7+ Kh7 46. Dg8+ Kh6 47. Dg6# Diese Kooperation von Läufer und Dame sollte man sich - soweit noch nicht geschehen - gut einprägen ! Etwas profaner, jedoch nicht weniger ästhetisch folgende Hinrichtung:

Benkovic - Sanduleac, Calimanesti 1999








Schwarz am Zug

47... Df4+ 48. Kg1 (48. Ke1 De3+) 48... De3+ 49. Kg2 Lf3+ 50. Kg3 Le2+ 51. Kh4 Df4+ 52. Kh3 Lxf1# Noch Fragen ? Im nächsten Motiv-Beispiel leistet ein Gaul Hilfestellung. Es wirkt simpel, aber zumindest im Blitzschach klappt das denkwürdig häufig...

Glek - van den Doel, Wijk an Zee 1999








Weiß am Zug

53. Dc2+ Ka3 54. Db3# Ein sehr typisches Motiv der Springerassistenz ist der Sg5 (oder g4) vor der gegnerischen Rochadestellung, der plötzlich einer sich auf h5 (oder h4) materialisierenden Dame Unterstützung für den Doppelangriff auf h7 (h2) und f7 (f2) gewährt.

Motiv




Wehe, einer dieser Punkte ist dann nicht gedeckt bzw. kann nicht verteidigt werden ! Übrigens ist dieses Motiv als Drohung offensichtlich stärker als in der Ausführung, denn ich konnte nur ein Beispiel finden !

Plomp - Dijkstra, Fernpartie NL 1992
1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5 4.Sf3 Sc6 5.Lb5 Ld7 6.0-0 Ld6 7.c4 dxc4 8.Lxc4 Sge7?








Stellung nach 8. ... Sge7?

Nun kann der Punkt f7 nicht mehr befriedigend gedeckt werden - weil letztlich die Dame mit Macht in den Kampf eingreifen kann: 9.Sg5 0-0 10.Dh5 1-0

Eine ähnliche (similar, not the same) Konstellation verhalf Weltmeister Alex gegen Akiba zu einem ruhmvollen Ende einer berühmten Partie. Später verließ Alex jedoch sein Glück, der Legende nach blieb ihm in einem Hotel in Lissabon ein Stück Fleisch im Halse stecken, was die Luftzufuhr entscheidend behindert haben soll und dies 23 Jahre nach der folgenden Partie, die 1923 gespielt wurde. Sic transit gloria mundi. Aber kehren wir zu glücklicheren Zeiten zurück:

Aljechin - Rubinstein, Karlsbad 1923








Weiß am Zug

1. Lg6 fxg6 2. Dg2 Lxb4 3. Dh3+ Kg8 4. Dh7+ Kf8 5. Dh8+ Ke7 6. Dxg7+ Ke8 7. Dg8+ Lf8 8. Dxg6+ Ke7 9. Dxe6#

Kaum etwas kommt einer Dame mit dem Dolch im Gewande so entgegen wie eine Grundlinienschwäche - entbrennt in ihr doch angesichts der Verheißung eines Grundlinienmatts heroischer Opfermut und die ohnehin langen Beine wirbeln erst richtig. Zwei Beispiele, angefangen mit einer echten Polygamie:

Djuric - Romanishin, Cutro 1999








Weiß am Zug

44. Dxf8+ Dxf8 45. Txf8+ Kxf8 Klar, Weiß kann "sich die Ecke aussuchen", aber hier geht´s um´s Prinzip - für die weniger Erfahrenen. 46. Dd6+ Ke8 47. De7# Und nun zu einem Kunststückchen, das die Choreographie jedes Kung-Fu-Films als Rumgehopse erscheinen läßt. Ein echter Klassiker, der nicht fehlen darf:

Adams - Torre, New Orleans 1920








Weiß am Zug

1. Dg4 Frech ! 1...Db5 2. Dc4 Frecher ! Dd7 3. Dc7 Der Superlativ ! Immer ein Diagramm wert !









Schwarz am Zug

3...Db5
3... Da4 4. Te4 g6 5. Dxc8 Dxe4 6. Dxe8+
4. a4 Dxa4
4... Dxe2 5. Txe2 h6 6. Txe8+
5. Te4 Einmal darf auch der Turm - immerhin ist er ja mehr als ein Statist. 5...Db5 6. Dxb7 und dem Mexikaner gingen die Verteidigungsressourcen aus. Wow ! Es bleibt jedoch relativ selten, daß der Zugriff derartig "passt". Zum Einen ist der Zugang zum Bodoir des gegnerischen Königs oft stark bewacht, zum Anderen stehen gelegentlich "Tölpel" aus den eigenen Reihen im Weg. Ihr Pech ! Denn Rücksicht kennen Killerqueens nicht. Der Weg zum Objekt der Begierde muß "freigeschoßen" werden und wer da in der Schußlinie steht, wird z.B. plötzlich Opfer einer Hinlenkung, wie es euphemistisch im Schachspielerjargon heißt. Klartext: Das Holzpüppchen wird als Henkersmahlzeit für den gegnerischen Kronenträger geweiht:

Benini - Reggio, Rom 1911








Weiß am Zug

Die schwache schwarze Grundreihe ist offensichtlich, die weiße Dame aber noch weit von ihrem Opfer entfernt. Ein doppeltes Turmopfer bringt sie jedoch gaaaanz nah ´ran ! 1. Th8+ Doppeleffektzug: macht das Feld für die Dame frei und zerrt den feindlichen Monarchen in ihre Schußlinie. 1...Kxh8 2. Txc8+ Beseitigt die wichtigste Verteidigungsfigur. 2...Txc8 Nach 2...De8 folgt 3.Dh3+ (3...Th4 4.Dxh4+ Kg8 5.Se6) nebst De6+ Und nun folgt die Mordtat: 3. Dh3+ Kg8 4. Dxc8+ Tf8 5. De6+ Kh8 6. Dh3+ Kg8 7. Dh7# Noch einen von der Sorte zum Üben:

Forintos - Tomovic, Budapest 1957








Weiß am Zug

1. Ld3+ g6 2. Th8+ Kxh8 3. Df8+ Kh7 4. Dxf7+ Kh8 5. Df8+ Kh7 Na ja, soweit sollte man es bereits internalisiert haben. Und nu´ ? Erinnern Sie sich an diesen plastischen Chirurgen, ich meine den, der mit Hilfe einer OP-Schwester eine Grundreihe (-linie) modellieren konnte ? Gucken Sie mal auf den Bauern g4 ! Sieht der nicht aus wie ein Holzpüppchen, daß den Doktorgrad hat ? Da gibt´s dann auch noch Dr.Läufer, in diesem Fall aber spielt Letzterer eine andere Rolle... 6. Lxg6+ ...als letztes Fressen des dunklen Herrschers. Kxg6 7. Dg8# Hier hat die Dame aber noch nicht einmal gezeigt, was sie alles drauf hat. Im nächsten Beispiel schießt ihr zwar erst auch ein tumber Turm den Weg frei, aber dann...

Furman - Cholmow, Leningrad 1963








Weiß am Zug

Zuerst das Monarchenschlafzimmer demolieren...1. Txh6+ gxh6 ( Kneifen hilft nix, das folgende Motiv ist bekannt: 1... Kg8 2. Th8+ Kxh8 3. Dh6+ Kg8 4. Dxg7# ) ...und dann wird die Blondine zudringlich. 2. Df5+ Kg8 3. Dg4+ Kf8 4. Dg7+ Ke7 5. De5+ Kf8 ( 5... Kd8 6. Db8+ Ke7 7. Lc5+ ) 6. Lc5+ Se7 7. Dh8# (Kleine "Lernerfolgskontrolle" gefällig ?)

Der Höhepunkte der Gefühle ist aber, wenn sowohl das königliche Schlafzimmer demoliert als auch die Rivalin ausgesperrt wird. Das feiert die femme fatal dann mit einem Tanz um den todgeweihten King und läßt ihn schließlich von einem Gaul überfahren - Schach erzählt manchmal richtig unmoralische Geschichten:

Minasjan - Oll, Lwow 1990








Weiß am Zug

1. Sxh7 Dxg1 ( 1...Dxh7 2.Df6+ ) 2. Sg5+ ...und die Rivalin wurde rausgeschmissen. 2...Kg7 3. Dh7+ Kf8 4. Dh6+ Ke7 (4...Kg8 5.Dxe6+ Kg7 6.Df6+ ) 5. Dxe6+ Kd8 6. Dxd5+ Kc7 ( 6...Ke8 7.Df7+ Kd8 8.Se6+ ; Erstaunlich widerspenstig zeigt sich der Auserwählte jedoch nach 6...Kc8. Dieses Beispiel aus der Turnierpraxis entpuppt sich bei näherem Hinsehen als nicht ganz makellos, Weiß muß profan 7.Dxc4+ spielen. Nach 7...Kb8 8.Df8+ nebst Se6+ nämlich geht´s "nur" der schwarzen Prinzessin an den Kragen, während nach 7...Kd7 8.De6 Kc7 9.Dd6+ Kc8 10.Se6 die Sache trotz Sträuben noch "glatt" bleibt.) 7. Se6+ Kb6 8. Dc5+ Ka6 Den letzten Schlag überläßt unsere Puppe dem fleissigen Gaul, es resultiert ein schön anzusehendes Springermatt: 9. Sc7#
Auch das nächste Beispiel - diesmal mit einer afro-hölzernen Würdenträgerin - verläuft nach ähnlichem Muster - diesmal aber ohne Wahl für die weiße Majestät. Und ebenfalls diesmal macht sich unsere Amazone sogar mit dem niederen Volk gemein und läßt einen Bauern matt setzen:

Iwanow - Sweschnikow, Tscheljabinsk 1973








Schwarz am Zug

1... Ta3 Ab mit der weißen Dame in den Speisesaal ! 2. Dxa3 Le4+ Und jetzt läuft alles wie ein Uhrwerk. 3. Kf4 Lg2+ 4. Kg5 Dxe5+ 5. Kg4 Df5+ 6. Kh4 Dh3+ 7. Kg5 Dh6+ 8. Kg4 f5# Nicht immer folgt auf den Einsatz einer Mörderdame Matt oder klotziger Materialvorteil. Dann und wann fällt der Preis der spektakulären Bemühungen mit einem oder zwei Bäuerchen vergleichsweise gering aus, aber gewinnen kann man damit ja bekanntlich (hoffentlich !) auch. Im folgenden Beispiel scheint der schwarze Häuptling seine Getreuen dicht um sich geschart zu haben - leider so dicht, daß er bereits beim ersten Ansturm der Dame Atemnot bekommt:

Polishtschuk - Dontschenko, Leningrad 1977








Weiß am Zug

Der Weg zum Herz der schwarzen Stellung muß erst noch freigesperrt werden. Na, sehen Sie es ? Wollen Sie noch´n Minütchen ? Okay, jetzt aber: 1.Txh6 gxh6 2.Dg6+ Tg7 3.Lxg7 Txe2 4.Lf6+ Kf8 5.Dxh6+ Ke8 6.Dh8+ Kf7 7.Dg7+ Ke6 8.Dxg4+ Kd6 9.Dxe2 1-0 Ein sehr aktuelles Beispiel für eine Totschlägerin liefert das folgende Partienfragment - gleichzeitig demonstriert die Partie die taktische Aufstellung "Pfeil und Bogen":

Ehlvest - Schnabel , Reykjavik 2000
1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.Sh3 Lg7 5.Sd2 c6 6.c4 d6 7.d5 0-0 8.Sf4 Ld7 9.h4 Lh8 10.e4 fxe4 11.Sxe4 Sxe4 12.Lxe4 Sa6 13.h5 g5









Stellung nach 13. ... g5

14.Sg6 Sinn des Zuges ist - vorausgesetzt, Schwarz liquidiert den Springer nicht - den schwarzfeldrigen Black Bishop zu exkommunizieren und damit die Diagonal a1-h8 als Claim abzustecken. Man stelle sich dann die Stellung mit Dd4+ oder später b3 nebst Lb2 vor ! Und dann hängt da ja auch noch der Bauer g5. Brrrr !! Deswegen ließ Schnabel den Schimmel nicht über die Hürde, sondern über die Klinge springen: 14...hxg6 15.hxg6 g4 Dieser kluge Zug sollte alles zusammenhalten. Dummerweise droht(e) durch die Öffnung der h-Linie nun neues Ungemach mittels Dh5 oder Txh8. 16.Txh8+ Kxh8 Er hat es trotzdem getan. Und nun wird die weiße Dame wie ein Pfeil in den Bogen Läufer c1 eingelegt und der Bogen gespannt. 17.Dd2 Kg7 18.Dh6+ Und Schuß ! Nicht sofort tödlich, aber es reicht - der König ist waidwund. 18...Kf6 19.g7+ Ke5 20.gxf8D Dxf8 21.De3 1-0 Es drohte 22.Lc2+ Kf6 23.Dg5+ Kf7 24.Dg6# So hätte nach 21...e6 22.Lc2+ Kf6 23.Dg5+ Kf7 24.Dg6+ Ke7 25.Lg5+ folgen können.

Ist der Bogen erst einmal gespannt und zielt die Dame direkt auf den König, ist es nur noch sehr schwierig, dem Geschoß auszuweichen, wenn man kein Holzpüppchen hat, das man dazwischenschieben könnte. Die unerbittliche Persistenz des "Flitzebogens" mit Damenpfeil demonstriert das nächste Beispiel:

Linn - Rosenfeld, Fernpartie 1987








Weiß am Zug

Der Pfeil ist bereits eingelegt, mit dem nächsten Zug macht Weiß die Schußlinie frei: 1.Tc5 bxc5 Weicht die schwarze Dame, zieht Weiß 2.d5 und Schwarz ergeht es noch schlechter als in der Textvariante. 2.dxc5 Dxc5+ Schwarz unternimmt nun Kapriolen, um die Bogensehne zu zerschneiden, was ihm am Ende tatsächlich gelingt. Doch der Preis dafür ist zu hoch... 3.e3 Dxe3+ 4.Tf2 Td1+ 5.Lf1 Txf1+ 6.Kxf1 e5 7.Lxe5 Dc1+ 8.Ke2 Sc3+ 9.Lxc3 Dc2+ 10.Ke3 Dd3+ Unsere afrikanische Freundin hat sich zwar als recht talentiert erwiesen und das Duell der beiden Killerqueens endet unentschieden im Abtausch, die Partie ist für den Schwarzen jedoch nicht mehr zu retten: 11.Kf4 Dd6+ 12.Dxd6 cxd6 13.Kxe4 1-0

Der "Flitzebogen" ist ein an sich triviales Motiv und natürlich fällt niiiiiiiemand mehr darauf herein... wenn er es im "Chaos" der Stellung nicht "übersieht". Das diagonale Motiv hat seine Entsprechung in der Vertikalen (In der Horizontalen dagegen ist es selten): Die Aufstapelung von Schwerfiguren auf eine Linie nennt man bekanntlich "Drucksäule" - wenn man damit Druck ausübt. Zielt man dagegen auf die Rochadestellung wie im folgenden Beispiel, würde ich als Analogienfetischist den Terminus "Kanone" bevorzugen. Mit der Dame als Kanonenkugel, einem Einschlag und einem Krater. By the way: Nicht selten wurde mit Kanonen auf Spatzen geschoßen, sprich: Der König war gar nicht mehr da, der Krater leer. Im nächsten Diagramm würde der schwarze Monarch wohl auch gern gen Westen ziehen, allein, er kann es nicht:

Blankenship - Spinks , Internetmatch 1996








Schwarz am Zug

Schwarz zog 1...Sxd2?? (Wie ist das Emoticon für Kopfschütteln ?) und erlaubte dem ebenso schlecht spielenden Weißen, die Kanone zu laden. 2.Dh5 An sich kann man einem solchen Schuß mit etwas Jogging und Luftlöchern ausweichen, dummerweise ist da der zuvor verschmähte Bauer auf g5 und genau der arretiert den schwarzen König bei einem Fluchtversuch mit 2...f6 3.g6. Tja, wer den Bauern nicht ehrt...

Nun aber wieder zu anspruchvolleren Königsmorden und schwieriger zu tanzenden Damensoli:

Pyhälä - Feustel, 1993








Weiß am Zug

Spektakulär verschafft sich Weiß zunächst Zugang zum König: 1.Txf6 exf6 2.Sf5+ gxf5 Weiß hat seine halbe Armee hingegeben, was ihm aber sicher leicht gefallen sein dürfte. Denn spätestens jetzt sieht auch ein Taschenrechner zumindest, daß dem weißen König zu wenig Auslauf verblieben ist, um Schachs zu entgehen. Das es vor dem geistigen Auge des Spielers auch noch zum Matt reicht, kann man der Rechenkunst, der Intuition, der Erfahrung (wie dieser hier) oder dem Glück zurechnen. Anyway, der Rest spielt sich von selbst, wie man so schön sagt: 3.Da7+ Kg6 4.Df7+ Kg5 5.Dg7+ Kh4 6.Dxf6+ Kg3 7.Dg6+ Kxh3 8.Dxf5+ Kg3 9.Df4+ Kh3 10.Dh2+ Kg4 11.Tf4+ Kg5 12.Dg3+ Kh5 13.Dg4# Und noch ein Spitzentanz der hölzernen Ballerina:

Savcenko - Tomins, UDSSR 1987








Weiß am Zug

Und wieder ist es ein Turm, der seiner Königin den Weg bahnt: 1.Txf6+ Kxf6 2.Dd4+ Kf7 3.Txe7+ Man könnte denken, auf dem Existenzberechtigungsschein der Türme stehe geschrieben: "Rammbock für die Dame". Irgendwann in der Zukunft aber - das verspreche ich - bekommen sie auch auf dieser Website einmal eine Hauptrolle... wie in der Seifenoper ! 3...Kxe7 4.Dg7+ Ke8 5.Dxh8+ Kf7 6.Dh7+ Ke8 7.Dg6+ Kd8 8.Df6+ Ke8 9.Ld6 1-0

Timman - Yusupov, Dortmund 1994








Stellung nach 30. ... g5

Was jetzt kommt, ist wohl klar, oder ?! 30.Txg5+ hxg5 Klar, man muß den Turm nicht schlagen, aber was wäre das denn für ein Leben nach 30...Kf8 31.Te5 ? 31.Dxg5+ Kh8 32.Dh6+ Kg8 33.Dh7+ Kf8 34.Dh8#
Zum Schluß noch einige Motive, die den weiblichen Killer auf dem Schachbrett erst so richtig ihrem Handwerk frönen lassen. Sicherlich führt nicht jedes dieser Motive zwangsläufig zum Matt - andere Figuren spielen ja auch noch mit - aber finden Sie nicht, daß jedes dieser Motive die Figur unserer Queenie so richtig zur Geltung bringt ?










 Schachuhr
DGT Travel 960. Digitale Schachuhr für die Westentasche.


Copyright © 24.03.2003 Thomas Siebe

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