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Fritz & Fertig - Schach für Kinder CD

Fritz & Fertig - Schach für Kinder
von Terzio
Sprache:Deutsch
CD-ROM - Erscheinungsdatum: 5. November 2002
Nein ! Nicht nur für Kinder, aber für diese pädagogisch besonders wertvoll. Empfohlen in der Rubrik ANGECLICKT im WDR.

 Profi Schachset Feldgröße 50 mm
Profi Schachset Feldgröße 50 mm


Kleiner Schachlehrgang für Anfänger

1. Die Schachregeln

Sie interessieren sich für Schach ? Sie wollen Schach lernen ? Dann sind Sie hier richtig, denn das folgende Skript will Ihnen die Schachregeln und das Spiel näher bringen. Oft wird behauptet, Schach wäre ein schweres Spiel. Das ist richtig... und falsch zugleich. Schwer finden dieses Spiel nur diejenigen, die ein Spiel so gut wie möglich = perfekt beherrschen wollen - und das ist bei Schach annähernd unmöglich. Wer aber das "königliche Spiel" einfach nur spielen will, für den ist Schach gar nicht schwer. Okay, die Regeln sind etwas umfangreicher als beim Mau-Mau, aber mit etwas Motivation kann man schnell die ersten Züge auf dem Brett machen.

Es wird den Lernvorgang erleichtern, wenn Sie vorzugsweise ein "echtes" Schachbrett mit Figuren neben ihrem Computer stehen haben oder ein virtuelles Schachbrett - z.B. aus dem Internet (Downloadmöglichkeiten findet man auf dieser großen Linkseite) - auf die Festplatte laden und dann in einem Fenster öffnen würden. Beim ersten Durcharbeiten des Skripts ist das aber nicht unumgänglich. Sind Sie bereit ? Dann wollen wir mal...

Schach wird von zwei Spielern auf einem schwarz-weiß (hell-dunkel) kariertem Brett mit 8x8=64 Feldern gespielt.

Jeder Spieler hat 16 Figuren, die Partie startet immer aus derselben Grundaufstellung der Figuren und immer mit denselben Figuren. Beachten Sie hierzu bitte die Abb. 1 und 2 !

Weiß beginnt immer die Partie (Tradition) , die Spieler ziehen bis zum Ende der Partie immer abwechselnd, immer nur eine ihrer Figuren. Einen Zug zu machen, ist Pflicht, aussetzen ist nicht erlaubt ;-). Kann eine Partei nicht mehr ziehen, ist die Partie so oder so zu Ende. Das größte Ziel beider Parteien ist es, den König der gegnerischen Partei schachmatt zu setzen, aber dazu später.

Abb. 1
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
 7  a7b7c7d7e7f7g7h7  7 
 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
 5  a5b5c5d5e5f5g5h5  5 
 4  a4b4c4d4e4f4g4h4  4 
 3  a3b3c3d3e3f3g3h3  3 
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Das Koordinatensystem

Abb. 2
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8 TurmSpringerLäuferDameKönigLäuferSpringerTurm 8
7 BauerBauerBauerBauerBauerBauerBauerBauer 7
6 6
5 5
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3 3
2 BauerBauerBauerBauerBauerBauerBauerBauer 2
1 TurmSpringerLäuferDameKönigLäuferSpringerTurm 1
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Die Startpositionen

Sie erkennen auf diesen Abbildungen, daß das Schachbrett in ein Koordinatensystem, bestehend aus Buchstaben und Zahlen, eingeteilt ist - ähnlich wie beim Schiffeversenken ;-). Damit der kleine Lehrgang nachvollziehbar wird, müßen Sie sich leider zuerst damit vertraut machen, später benötigen Sie dieses Koordinatensystem nur noch, um Partien aufzuschreiben oder nachzuspielen. Um das Spiel selbst zu spielen, sind die Buchstaben und Zahlen aber ohne Bedeutung - Sie müßen dann nur noch darauf achten, daß das Brett bei der Partie "richtig" liegt: Für jeden Spieler, der vor dem Brett sitzt, muß das unterste, linke Feld (a1 oder h8) ein dunkles Feld sein ! Warum ? Nun, Sie werden den Grund erst nachvollziehen können, wenn Sie einige Schachpartien gespielt haben und dann das Brett anders hinlegen. Irgendwie sieht dann alles "falsch" aus. Zum Koordinatensystem:

Die Linien (Senkrechten) werden nach Buchstaben benannt, die Reihen (Waagerechten) nach Zahlen. In der linken Ecke des Schachbrettes z.B. treffen sich die a-Linie und die 1. Reihe, folglich bezeichnet man das Feld als a1. Jedes der 64 Felder hat also einen "Namen" wie z.B. e5 oder g3. Wenn Sie mit der Maus langsam über die Felder von Abbildung 1 fahren oder bei ihrem Browser die Grafiken deaktivieren, können sie die Namen aller Felder lesen. Dieses Koordinatensystem dient wie gesagt dazu, Züge oder ganze Partien nachvollziehbar bzw. nachspielbar zu machen.

 Schach Zug um Zug. Bauerndiplom, Turmdiplom, Königsdiplom.
Helmut Pfleger: Schach Zug um Zug. Bauerndiplom, Turmdiplom, Königsdiplom.

Mit der Unterstützung von Fernsehgroßmeister Dr. Helmut Pfleger können Sie hier Ihren schachlichen Freischwimmer machen. Das Buch ist das offizielle Lehrbuch des Deutschen Schachbundes und vermittelt unterhaltend nicht nur die elementaren Regeln (Bauerndiplom), sondern u.a. auch alle Tricks, auf die Anfänger "gerne" reinfallen (Turmdiplom). Das Königsdiplom bescheinigt dann, daß Sie sich auch schon ganz gut mit Eröffnungen, Strategie und Endspielen auskennen.
2003, 272 Seiten, 8,95 EURO bei AMAZON.de

Die Figuren und ihre Gangarten:

In Abb.2 sehen Sie die 32 Figuren in ihrer Grundaufstellung, jeweils 16 Weiße und 16 Schwarze. Am besten sind für den völligen Anfänger noch die Pferde, Fachbezeichnung Springer, zu erkennen. Sie können nun gleich überprüfen, ob Sie das Schachkoordinatensystem bereits lesen können: Die weißen Pferde stehen auf den Feldern mit den "Namen" b1 und g1, die schwarzen Gäule grasen auf b8 und g8. Wenn Sie mit der Maus langsam über die Figursysmbole fahren, können Sie ja schon mal die Bezeichnungen der anderen Figuren "erschnuppern", so stehen die Türme am Anfang der Partie in den Ecken des Brettes, also auf den Feldern a1, h1, a8 und h8.

Jede der 6 verschiedenen Figurentypen hat eine eigene Gangart. Mit diesen Gangarten werden wir uns nun beschäftigen:

Turm Turm    Auf den Ecken des Schachbretts stehen in der Ausgangsstellung - wie bei einer Festung oder einem Schloß - immer die Türme.
Die Gangart der Türme ist einfach. Sie gehen entweder senkrecht oder waagerecht geradeaus. Ihre Reichweite beträgt bis zu 7 Felder (wenn sie am Rande des Brettes stehen und eine Linie oder Reihe figurenfrei ist). Sie können jedoch nicht über Figuren springen, die sich in ihrem Weg befinden. Das heißt, das die Türme aus der Ausgangsstellung heraus noch gar nicht ziehen können, weil sie entweder von einem eigenen Bauern oder von einem Springer bzw. Pferd blockiert werden.

Abb.3
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
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 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
 5  a5b5c5d5e5f5g5h5  5 
 4  a4b4c4d4e4f4g4h4  4 
 3  a3b3c3d3e3f3g3h3  3 
 2  a2b2c2d2e2f2g2h2  2 
 1  a1b1c1d1e1f1g1h1  1 
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Der weiße Turm in Abbildung 3 steht auf dem Feld d4. Wenn Weiß am Zuge wäre, könnte er die markierten Felder a4,b4,c4,e4,f4,g4,h4,d8,d7,d6,d5,d3,d2 oder d1 besetzen.

Läufer Läufer Die Läufer flankieren in der Ausgangsstellung das Herrscherpaar König und Dame bzw. haben zu ihrer anderen Seite einen Springer. Die Gangart der Läufer ist ebenfalls einfach, nämlich diagonal. Auch die Läufer können andere Figuren nicht überspringen und können deswegen im ersten Zug der Partie nicht ziehen, weil sie von Bauern blockiert werden.

Abb.4
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
 7  a7b7c7d7e7f7g7h7  7 
 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
 5  a5b5c5d5e5f5g5h5  5 
 4  a4b4c4d4e4f4g4h4  4 
 3  a3b3c3d3e3f3g3h3  3 
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Der schwarze Läufer auf d4 kann im nächsten Zug nach c5, b6, a7, e5, f6, g7, h8, c3, b2, a1, e3, f2 oder g1 ziehen. Kurz gesagt, auf den schwarzen Diagonalen des Brettes entlang, wie eine Dame beim Damenspiel. Übrigens, wenn auch nicht so wichtig, hat jede Partie zu Beginn einen sogenannten weißfeldrigen und einen schwarzfeldrigen Läufer. Sie werden so "geboren" und "sterben" auch auf dieser Farbe der Diagonale, um mit Hemmingway zu sprechen.

Dame Dame Die Dame steht in der Anfangsstellung neben dem König in der Mitte der Grundreihe und zwar auf der d-Linie. Da der Anfänger oft die Startpositionen von Dame und König in der Mitte verwechselt, nicht alle Schachbretter aber mit dem Koordinatensystem ausgerüstet sind, gibt es eine Eselsbrücke : Weiße Dame, weißes Feld, schwarze Dame, schwarzes Feld. Vom Potential her ist die Dame die stärkste Figur auf dem Schachbrett, weil sie die Gangarten von Turm und Läufer in sich vereinigt. Sie kann also entweder geradeaus oder diagonal ziehen, nicht aber beides in einem Zug. Wie Läufer und Turm kann auch die Dame nicht über andere Figuren hinwegspringen und ist deswegen in der Anfangsstellung ebenfalls blockiert.

Abb.5
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
 7  a7b7c7d7e7f7g7h7  7 
 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
 5  a5b5c5d5e5f5g5h5  5 
 4  a4b4c4d4e4f4g4h4  4 
 3  a3b3c3d3e3f3g3h3  3 
 2  a2b2c2d2e2f2g2h2  2 
 1  a1b1c1d1e1f1g1h1  1 
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Die weiße Dame auf d4 kann auf all die Felder ziehen, die zuvor bei Turm und Läufer zusammen genannt wurden. (Haben Sie jetzt gedacht, daß ich die alle noch aufzählen würde ?) Die Markierungen auf dem Brett zeigen, wie mächtig diese Figur werden kann, wenn sie so richtig freie Bahn bekommt !

König König Der König ist die Figur, um die es eigentlich geht. Er steht in der Anfangstellung neben seiner Dame, auf der e-Linie. Dafür, daß er die wichtigste Figur ist, ist er aber relativ "lahm". Er kann pro Zug jeweils immer nur auf ein angrenzendes Feld gelangen (Eine Ausnahme wird es später noch geben). Er zieht also vertikal, diagonal oder horizontal immer nur ein Feld. Das auch er nicht über andere Figuren hinwegsetzen kann, erscheint momentan als sinnlose Bemerkung (Ist ja kein Feld zwischen Startfeld und Zielfeld frei ), bekommt bei der erwähnten Ausnahme, der Rochade, später aber noch Bedeutung. Muß ich noch erwähnen, daß der König in der Anfangsstellung ebenfalls vorerst blockiert ist ?

Abb.6
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
 7  a7b7c7d7e7f7g7h7  7 
 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
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 4  a4b4c4d4e4f4g4h4  4 
 3  a3b3c3d3e3f3g3h3  3 
 2  a2b2c2d2e2f2g2h2  2 
 1  a1b1c1d1e1f1g1h1  1 
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Der schwarze König auf dem Feld d5 (ein wenig Abwechslung) kann alle angrenzenden Felder erreichen, also d6, e6, e5, e4, d4, c5 oder c4.

Springer Springer Der Springer dagegen wird von anderen Figuren nicht blockiert, er ist die einzige Figur, die über andere Figuren hinwegsetzen kann. Er kann also bereits in der Ausgangsstellung des Spieles ziehen und sich über die Bauern vor ihm hinwegsetzen. In der Ausgangsstellung steht er zwischen Turm und Läufer. Seine Gangart ist der sogenannte Rösselsprung und etwas komplizierter als die Bewegungen der anderen Figuren. Aber keine Bange, so schwer ist der Rösselsprung auch nicht :
Von seinem Ausgangsfeld zieht der Springer zunächst ein Feld vorwärts, rückwärts oder zur Seite und von dort aus dann ein Feld diagonal in der zuvor gewählten Zugrichtung. Zwischen dem Ausgangsfeld und dem Zielfeld liegt dann immer eine Linie oder Reihe. Sie können sich das aber auch anders merken. Stellen Sie sich den Springer als defekten Turm vor, ziehen Sie ihn in dieser Weise zwei Felder geradeaus in beliebige Richtung und biegen dann ein Feld links oder rechts ab. Aus der Ausgangsstellung kann z.B. der weiße Springer b1 entweder auf das Feld a3 oder das Feld c3 gelangen. Der schwarze Springer b8 könnte das Feld a6 oder c6 erreichen.

Abb.7
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
 7  a7b7c7d7e7f7g7h7  7 
 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
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 3  a3b3c3d3e3f3g3h3  3 
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Der weiße Springer auf e4 kann auf die markierten Felder d6, f6, g5, g3, f2, d2, c3 oder c5 ziehen. Sein schwarzer Kollege auf a8 dagegen kann lediglich die blau markierten Felder b6 oder c7 erreichen. Sie könnten dies auch, wenn sie von Figuren umringt wären. Nicht vergessen: Der Springer springt über andere Figuren hinweg !

Bauer Bauer Der Bauer ist die vermeintlich schwächste Figur auf dem Brett. Jede Partie hat zu Beginn 8 Bauern, die auf der zweiten bzw. siebten Reihe stehen. Aus seiner Ausgangsstellung kann ein Bauer vertikal wahlweise entweder ein oder zwei Felder vorrücken. Nach seinem ersten Zug kann jeder Bauer dann nur noch jeweils auf das Feld vor ihm vorrücken, bis er die gegnerische Grundreihe erreicht. Einen Rückwärtsgang hat unser Bauer nicht und wenn ihm eine andere Figur im Weg steht, ist er blockiert und kann nicht auf dieses Feld vorrücken.

Abb.8
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 8  a8b8c8d8e8f8g8h8  8 
 7  a7b7c7d7e7f7g7h7  7 
 6  a6b6c6d6e6f6g6h6  6 
 5  a5b5c5d5e5f5g5h5  5 
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In Abbildung 8 mute ich Ihnen nun schon etwas mehr Bevölkerung auf dem Brett zu. Bitte werfen Sie zunächst einen Blick auf den weißen Bauern f2. Er kann am Zuge wahlweise auf die Felder f3 oder f4 vorrücken. Der Doppelschritt nach f4 ist möglich, weil der Bauer auf f2 sich noch in seiner Startposition befindet.
Der schwarze Bauer auf c6 dagegen hat bereits einmal gezogen. Deswegen darf er seinen Doppelschritt nicht mehr machen. Er kann in einem Zuge also nur noch das Feld c5 erreichen.
Die Bauern auf h4 und h5 können nicht ziehen. Sie blockieren sich gegenseitig. Der Bauer auf b2 kann ziehen, nämlich nach b1. Und damit kommen wir zu einer Besonderheit der Bauern:

Denn jeder Bauer wird "befördert", wenn es ihm gelingt, das andere Ende des Brettes, die gegnerische Grundreihe, zu erreichen. Dann muß der Bauer im gleichen Zug wahlweise in eine Dame, einen Turm, einen Springer oder einen Läufer ( niemals in einen König ! ) seiner Farbe verwandelt werden und spielt dann als diese Figur mit entsprechenden Eigenschaften das Spiel weiter. Unser Bauer b2 in Abbildung 8 kann sich also mit seinem Zug auf die weiße Grundreihe sowohl in eine Dame als auch in einen Springer, Läufer oder Turm verwandeln. Eines von den vier muß er werden.

Das Schlagen

Schach ist zwar ein friedliches Spiel, aber es gibt auch Opfer. Denn beim Schach können die Figuren ( auf keinen Fall der Gegner ! ) geschlagen werden. Prinzipiell ist das Schlagen zwar keine Pflicht ;-), aber wenn man gewinnen will, muß man in der Regel andere Figur meucheln. Beim Schlagen bewegt sich die gezogene Figur auf ein Feld, auf dem eine gegnerische (niemals eine eigene) Figur steht. Die gegnerische Figur wird vom Brett entfernt. Die gezogene Figur nimmt ihren Platz auf dem Feld ein ( Es gibt nur eine Ausnahme ) und erst damit ist der Zug beendet. Und nun eine gute Nachricht:

Die Figuren schlagen alle so, wie sie gehen bzw. so, als würden sie einen normalen Zug wie oben beschrieben machen. Nur der Bauer schlägt anders als er zieht ! Sie erinnern sich, das ein Bauer bei einem Zug immer das Feld vertikal vor ihm besetzt, wenn dort keine Figur steht. Aber auch unsere Bauern können sich ihrer Haut wehren, nur schlagen sie ein Feld diagonal nach vorn - wenn dort eine gegnerische Figur steht. Und natürlich gilt auch hier - Bauern können nicht rückwärts ziehen, sie marschieren und schlagen immer nur vorwärts.

Schauen wir uns ein paar Beispiele für das Schlagen von Figuren an und beginnen wir gleich mit den Bauern. (Von nun an verzichte ich übrigens auf die Markierung der Felder)

Abb. 9
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In Abbildung 9 stehen sich die Bauern f2 und g3 diagonal gegenüber. Wenn Weiß an der Reihe mit dem Ziehen wäre, könnte der weiße Bauer f2 den schwarzen Bauern g3 schlagen. Und wenn Schwarz am Zuge wäre, könnte er mit seinem Bauern auf g3 den weißen Bauern ebenfalls schlagen.
Werfen Sie einen Blick auf die schwarze Dame auf dem Feld c7. Sie kann entweder den weißen Turm auf c5 oder den weißen Läufer auf e5 vom Brett befördern. Wäre wiederum Weiß an der Reihe, könnten entweder der weiße Läufer oder der weiße Turm die schwarze Dame schlagen.
Eine Möglichkeit für Weiß, in dieser Stellung eine Figur zu schlagen, haben wir noch nicht erwähnt. Der weiße Läufer kann nämlich auch den Bauern auf g3 terminieren.

Bitte vergessen Sie aber ob dieses Massakers nicht, daß man pro Zug nur eine dieser Möglichkeiten nützen kann, denn danach ist ja wieder der Gegner am Zug !

Abb.10
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Betrachten Sie bitte Abbildung 10 und zunächst den Bauern auf b2. Er kann, wenn Weiß am Zug wäre, die Dame auf a3 schlagen.
Der weiße Bauer auf c4 hat noch größere Auswahl: Er kann zwischen dem Springer auf b5 und seinem schwarzen Kollegen auf d5 wählen.
Auch für die schwarzen Bauern wäre der Tisch gedeckt, sollte Schwarz an der Reihe sein, zu ziehen: Der schwarze Bauer auf d5 kann natürlich den weißen Bauern auf c4 schlagen. Der schwarze Bauer auf g4 hat die Qual der Wahl, ob er den weißen Turm auf h3 umhauen soll oder doch lieber dem Läufer auf f3 die Beine wegzieht. Alle Klarheiten beseitigt, was die Bauern angeht ?

Gut, denn in Abbildung 10 können auch noch zwei andere Figuren schlagen, wenn die jeweilige Farbe denn am Zug wäre. Erinnern Sie sich bitte, wie die Figuren gehen ! Außer dem Bauer schlagen die anderen Figuren bekanntlich genau so wie sie ziehen dürfen.
Jawohl, auch der Läufer auf f3 könnte schlagen. Als mögliches Opfer käme da zunächst der Bauer g4 in Frage. Aber auch der Bauer auf d5 könnte dem Läufer zum Opfer fallen. Und was ist mit der mächtigen Dame auf a3 ? Ja, sie könnte den Bauern b2 schlagen, aber es wäre auch möglich, daß sie den Läufer auf f3 vom Brett verbannt.

In Abbildung 11 unten ist einiges an Meuchelmorden möglich. Nehmen wir zunächst an, Weiß sei am Zug und beginnen mit der weißen Dame :

Abb. 11
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Die weiße Dame auf c4 kann den Bauern b5 oder den Turm auf g4 schlagen. Der weiße König auf e2 könnte den schwarzen Läufer auf e3 um die Ecke bringen. Und der weiße Springer auf f6 hat die Wahl, entweder den Turm g4 oder den Bauern d7 in die Schachtel zurückzulegen. Tja, und da wäre dann auch noch der weiße Bauer auf a7, der kurz vor seinem Schritt auf die Grundreihe ist. Er kann den schwarzen Turm auf b8 killen und gleichzeitig eine stolze Dame (oder Turm, Springer, Läufer ) werden.
Schwarz am Zuge hat auch seine Möglichkeiten: So kann der kleine schwarze Bauer auf b5 die große weiße Dame auf c4 umhauen. Der schwarze Turm könnte die Dame ebenfalls schlagen. Und natürlich könnte der schwarze König den vorwitzigen Gaul auf f6 schlachten. Selbst der schwarze Läufer auf e3 könnte eine weiße Figur entfernen, nämlich den Bauern auf a7.
Schade, daß man pro Zug nur einmal schlagen darf, aber das sind die Regeln !

Werfen wir noch einen Blick auf ein Pferdeschlachtfest in Abbildung 12:

Abb.12
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Hier ist fast es schon leichter, nach Figuren Ausschau zu halten, die nicht schlagen könnten. Klar, der schwarze König könnte lediglich einen einfachen Zug machen, kein Gegner in Reichweite. Und auch auf den Diagonalen des weißen Läufers findet sich keine Beute. Dafür fällt uns der Springer auf d6 auf, der eines der beiden weißen Pferde schlagen könnte, sich aber auch den weißen Läufer aussuchen kann. Natürlich könnte die weiße Kavallerie am Zuge, ob nun Gaul b5 oder Springer c4, den Rappen auf d6 schlagen. Und die Pferde d2 und c4 sind ebenfalls in gegenseitiger Schlagreichweite. Und nun ein kleiner Test: Welche Schlagmöglichkeiten habe ich vergessen ? Lösung

Das Schach und das Schachmatt

Vielleicht haben Sie sich gewundert, daß während der Schlagorgien im Kapitel zuvor nie ein König zu Schaden kam. Damit hat es seine Bewandnis, denn: Unser König bekommt ebenfalls eine Extrawurst gebraten: Er kann nämlich nicht geschlagen werden !

Ein König kann lediglich in Schach gehalten bzw. es kann ihm Schach geboten werden. Ein Schachgebot ist aber nichts anderes als die Drohung, den König beim nächsten Zugrecht bzw. nächstem Zug zu schlagen. Und da man das laut Regeln nicht darf, na ? Richtig, die Partei, deren König im Schach steht, muß auf das Schachgebot so reagieren, daß das Schlagen des Königs beim nächsten Zugrecht des Gegners nicht mehr möglich wäre.
Mehr noch: Keine Partei darf so ziehen bzw. eine Stellung herbeiführen, in der ihr König durch den Gegner geschlagen werden könnte ! Kompliziert ? Keine Bange, wir sehen uns sofort ein paar Beispiele an und wenn Sie die "gefressen" haben, können Sie praktisch schon Schach spielen.

Abb. 13
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In Abbildung 13 sehen wir ein Schachgebot für den schwarzen König auf g8 und zwar durch die Dame d5. Wenn Weiß am Zuge wäre, was nach den Regeln ja nicht möglich ist, könnte er den schwarzen König schlagen. Und deswegen muß in dieser Stellung Schwarz am Zug sein, sonst hat zuvor ein Regelverstoß vorgelegen. Schwarz muß nun dafür sorgen, daß sein König dem Schach entgeht. Dazu hat er in dieser Stellung genau 4 Möglichkeiten. Er kann nämlich mit dem schwarzen König einfach aus dem Schach gehen und zwar entweder nach f8, h8 oder h7. Warum nicht nach f7 ? Richtig ! Dort wäre er noch immer im Schach der weißen Dame und deswegen wäre dieser Zug irregulär. Nicht immer aber muß ein Königszug das Mittel zur Flucht aus dem Schachgebot sein. Wenn Schwarz in Abbildung 13 nämlich seine Dame nach f7 zieht (Abb. 13a)...

Abb. 13a
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...besteht das Schachgebot nicht mehr ! Manchmal kann man also - wenn Platz dazwischen ist - eine Figur dazwischenziehen. In unserem speziellen Fall von Abbildung 13a gibt es bei der Verteidigung des schwarzen Königs gegen das Schach sogar noch einen Nebeneffekt. Manchem Leser wird es bereits aufgefallen sein, denn in Abb.13a bietet nun die schwarze Dame auf f7 dem weißen König auf f1 Schach ! Weiß kann nun seinen König einfach nach e1, e2, g1 oder g2 aus der Schußlinie ziehen, aber auch für ihn gibt es in Abbildung 13a ein probates alternatives Mittel, dem Schachgebot zu begegnen. Der Angreifer, die schwarze Dame, könnte schlicht beseitigt werden, indem sie von der weißen Dame geschlagen wird. Dies würde die weiße Dame übrigens wiederum mit einem Schach tun, jedoch vermutlich nicht lange leben, weil sie dann vom schwarzen König geschlagen werden könnte.

Sehen wir uns eine weitere Schachstellung an:
Sie können in Abbildung 14 zwingend erkennen, wer gerade am Zuge ist. Warum ? Weil der weiße Springer auf e8 dem schwarzen König auf f6 Schach bietet. Also muß das Zugrecht gerade bei Schwarz sein und der muß nun dem Schach entgehen. Um einem Schach zu entgehen, haben wir inzwischen ja drei Möglichkeiten entdecken können, die aber nicht immer alle drei umzusetzen sind:

Abb. 14
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1) Eine Figur dazwischenziehen
2) Die schachbietende Figur schlagen
3) Mit dem König flüchten

Lösung Nr.1 erweist sich hier als unmöglich. Es ist ein Springer, der hier Schach bietet. Wie Sie sich hoffentlich erinnern, ist der Springer die einzige Figur auf dem Schachbrett, die über andere Figuren hinwegspringen kann. Deswegen kann man Drohungen mit dem Springer durch Dazwischenziehen nicht beseitigen.
Wie ist es mit Lösung Nr.2 ? Kann der Springer auf e8 geschlagen werden ? Jawoll, der Turm auf e8 könnte das Huftier tatsächlich beseitigen und damit wäre das Schach ad acta. Und dies wäre sicherlich auch die einfachste Lösung, aber wir wollen auch noch Lösung Nr.3 prüfen, schließlich lernen wir noch.
Wohin kann der schwarze König ausweichen ? Und das ist es, was wir hier lernen wollen, denn der schwarze König kann hier nicht auf die 5. Reihe. Sein weißer Kollege versperrt ihm den Weg. Wenn nämlich der schwarze König z.B. (regelwidrig) nach e5 oder f5 gehen würde, dann könnte sein weißer Kollege ihn ja im nächsten Zug (regelwidrig) schlagen. Aber Könige dürfen ja nicht geschlagen werden und deswegen sind sie nicht nur beide immer bis zum beliebigen Ende der Partie auf dem Brett, sie müßen auch immer untereinander mindestens ein Feld Abstand halten. Sie finden sich untereinander halt so richtig abstoßend !
Was bleibt in Abb.14 dem schwarzen König noch ? Kann er nach g7 gehen ? Hier die Lösung 2. Übrigens kann er natürlich auch nach g6, e7 oder e6 wandern. Was passiert dann ? Lösung 3

Jetzt kommen wir endlich zum Kern der Sache und damit schon fast zum Ende des ersten Teils des Anfängerlehrgangs. Wir werden uns nämlich nun mit dem ultimativen Ziel der Schachpartie befassen, dem SCHACHMATT !

Schachmatt ist ein König, wenn er im Schach steht und ihm keine (der drei oben genannten) Möglichkeiten bleiben, dies zu ändern. Kurz und gut, er würde unvermeidbar beim nächsten Zugrecht des Gegners geschlagen. Mit dem Schachmatt ist die Partie jedoch sofort zu Ende und natürlich für die Partei gewonnen, die matt setzt. Werfen wir in Abbildung 15 einen Blick auf ein Schachmatt, daß auf ähnliche Art häufig vorkommt:

Die schwarze Dame auf b2 bietet dem weißen König auf b1 Schach. Prüfen wir die drei Möglichkeiten, wie man einem Schach ausweichen kann. Da zwischen der schachbietenden Dame und dem weißen König keine Felder sind, können wir sofort vergessen, eine Figur dazwischenzuziehen ;-). Können wir die schachbietende Dame schlagen ? Wenn der König die Dame nehmen würde, würde er in ein Schach des schwarzen Springers auf c4 ziehen. Das ist bekanntlich verboten ;-). Der Springer schützt also die schachbietende Dame. Im Fachjargon heißt das übrigens: Er deckt sie [im Sinne von: Er gibt ihr Deckung ;-)] Auch andere weiße Figuren können die schwarze Dame nicht eliminieren. Und flüchten kann der weiße König auch nicht, denn nach hinten ist das Brett zuende und ansonsten bleibt er im Schach der Dame. Das also ist ein Schachmatt !

Abb. 15
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Gucken wir uns in Abbildung 16 ein Schachmatt oder Matt an, wie es schon millionenmal auf dem Brett war:

Abb. 16
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 6   6 
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Der weiße Turm auf d8 bietet dem schwarzen König auf g8 Schach. Wie Sie sich nun leicht überzeugen können, kann der schwarze König entweder dem Schachgebot des weißen Turmes nicht entgehen oder er läuft auf g7 in ein Schachgebot des weißen Läufers b2. Und weil der schwarze Monarch den Schachgeboten nicht mehr ausweichen kann, ist er schachmatt oder wie man auch sagen kann: matt !

Und noch ein Beispiel zur Demonstration eines Schachmatts in Diagramm 17:

Abb. 17
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In Diagramm 17 bietet wiederum ein Turm dem gegnerischen König Schach und verlegt ihm die gesamte 8. Reihe. Und Sie erinnern sich bestimmt, wie abstoßend die beiden Monarchen auf den Brett aufeinander wirken. Der weiße König blockiert nun die Flucht seines Kollegen von der achten auf die siebte Reihe.
Wir haben bislang nur Dame und Turm mattsetzen sehen. Das heißt nicht, daß dies nicht im Allgemeinen auch Läufern, Springern oder gar Bauern möglich wäre. Dies geschieht in der Praxis lediglich seltener. Denn die Damen und Türme sind in der Tat die "beliebtesten" Figuren zur Exekution eines Königs.

Ich denke, daß ich Ihnen nun schon Ihre erste Schachaufgabe zur Lösung vorlegen kann. In Abbildung 18 sollen Sie mit Weiß am Zug den schwarzen König in einem Zug matt setzen:

Abb. 18
  a b c d e f g h  
 8   8 
 7   7 
 6   6 
 5   5 
 4   4 
 3   3 
 2   2 
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Wenn Ihnen die Lösung dieser Aufgabe gelungen ist, toll ! Keine Angst aber, wenn Sie die Aufgabe nicht gelöst haben. Im zweiten Teil des Anfängerlehrganges werden Sie noch reichlich Gelegenheit bekommen, matt zu setzen. Hauptsache ist, daß Sie verstanden haben, was ein Schachmatt ist. Ich will aber an dieser Stelle einmal kurz zusammenfassen, was Sie bis jetzt (hoffentlich) gelernt haben:

Sie haben gelernt, daß Schach von zwei Spielern gespielt wird, die immer abwechselnd ziehen müssen
Sie haben die Figuren und die Grundaufstellung kennengelernt
Sie haben gelernt, wie die Figuren gehen, insbesondere den Rösselsprung und den Bauern ohne Rückwärtsgang.
Sie haben gelernt, daß die Figuren so schlagen wie sie gehen, mit Ausnahme des Bauern
Sie haben gelernt, daß der Bauer geradeaus geht, aber diagonal schlägt
Sie haben gelernt, daß der Bauer - erreicht er die gegnerische Grundreihe - sich in eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer verwandeln muß
Sie haben gelernt, was ein Schach und was ein Schachmatt ist

Eigentlich könnten Sie jetzt schon eine Partie Schach spielen, denn das Gröbste zum Erlernen der elementaren Regeln haben Sie nun hinter sich. Aber da gibt es noch zwei Sachen, die Sie noch lernen müßten, auch wenn der Anfänger in seinen ersten Partien erfahrungsgemäß ohne sie auskommen kann. Aber wenn man schon Schach lernt, will man doch alles wissen. Die Ursache dieser "Ausnahmen" sind natürlich unsere beiden Divas, einerseits der König, andererseits der Bauer.

Die Rochade

Sie hatten ja gelernt, daß die Parteien immer abwechselnd einen Zug machen, immer nur eine Figur bewegen dürfen. Nicht zwei, nicht drei, nein, immer nur ein Zug mit einer Figur. Nun gibt es einen Zug, der auf den ersten Blick wie zwei aussieht, die sogenannte ROCHADE. Dabei dürfen König und Turm unter bestimmten Bedingungen auf eine festgelegte Art gleichzeitig ziehen. Vorbedingung für diesen speziellen Zug ist jedoch, daß weder der König noch der beteiligte Turm in der Partie zuvor bewegt wurden ! Wurde der König also zuvor einmal gezogen, ist die Rochade für die entsprechende Partie nicht mehr möglich. Wie sieht der Rochadezug nun aus ? Werfen wir einen Blick auf das Diagramm 19:

Abb. 19
  a b c d e f g h  
 8   8 
 7   7 
 6   6 
 5   5 
 4   4 
 3   3 
 2   2 
 1   1 
  a b c d e f g h  
Eine Bemerkung zuvor: Die Bauern in diesem Diagramm sind lediglich schmückendes Beiwerk, wichtig sind die beiden Könige und ihre Türme. Vorausgesetzt, daß diese in der Partie zuvor noch nicht gezogen wurden, haben beide Parteien in dieser Stellung die Möglichkeit zu einer Rochade - wenn sie am Zug sind. Für Weiß wäre eine kleine Rochade möglich, für Schwarz die große Rochade. Keine Angst, mehr Rochadetypen gibt es nicht. Beginnen wir mit der kleinen Rochade, die Weiß am Zug nun durchführen kann: Dabei schnappen Sie sich zuerst den weißen König [der zu diesem Zweck ja immer auf e1 stehen muß] und führen in zwei Felder nach rechts auf das Feld g1. Dann schnappen Sie sich den weißen Turm h1 und führen ihn über den weißen König hinweg ebenfalls zwei Felder zur Seite, jedoch nach links, auf das Feld f1. Schauen Sie sich das Ergebnis in Abbildung 19 a an.

Abb. 19 a
  a b c d e f g h  
 8   8 
 7   7 
 6   6 
 5   5 
 4   4 
 3   3 
 2   2 
 1   1 
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Dies war also die kleine Rochade, die als ein Zug gilt, obwohl ja zwei Figuren gezogen wurden und obendrein eine Figur über die andere hinweg. Übrigens - um Mißverständnisse zu vermeiden - hat Schwarz natürlich in der spiegelbildlichen Stellung (König auf e8 und Turm auf h8) ebenfalls das Recht, klein zu rochieren bzw. im folgenden Weiß ebenso ein Recht zur großen Rochade, wenn sein König auf e1 und sein Turm auf a1 steht. Machen wir nun die große Rochade mit Schwarz: Ziehen Sie den schwarzen König nach c8 und dann den schwarzen Turm von a8 nach d8 - fertig ! (Abb. 19 b)

Abb. 19 b
  a b c d e f g h  
 8   8 
 7   7 
 6   6 
 5   5 
 4   4 
 3   3 
 2   2 
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Die Rochade ist aber immer nur dann möglich, wenn die beteiligten Figuren zuvor noch nicht bewegt wurden und natürlich nur, wenn zwischen ihnen keine anderen Figuren stehen Vielleicht wird nun so mancher denken, daß dieser außergewöhnliche Zug ja eine vierte Möglichkeit wäre, den König aus einem Schach zu ziehen. Leider, leider: NEIN !
Denn ein König, dem gerade Schach geboten wird, darf nicht rochieren !
Genausowenig darf die Rochade ausgeführt werden, wenn nach ihrer Vollendung der rochierte König im Schach stehen würde. Und es gibt noch einen anderen Umstand, der trotz aller anderen gegebenen Voraussetzungen die Rochade verbietet:
Wenn der rochierende König während der Rochade auf seinem Weg ein Feld überqueren müsste, daß von einer gegnerischen Figur bedroht wird, darf ebenfalls nicht rochiert werden. Diese Regel gilt nicht für den Weg des Turms ! Würde es also nur daran hängen, daß der Turm über ein Feld ziehen muß, daß vom Gegner bedroht wird, dann ist die Rochade möglich !
Okay, das war jetzt ziemlich heavy und viel auf einmal. Vielleicht tröstet es Sie, daß selbst Schachgroßmeister (z.B. Viktor Korchnoi) schon einmal den Schiedsrichter bemühen mußten, weil ihnen eine Rochaderegel gerade nicht geläufig war :-) Das können Sie aber besser und deswegen zeige ich Ihnen das Ganze noch einmal an einem Diagramm (Abb. 20)

Abb. 20
  a b c d e f g h  
 8   8 
 7   7 
 6   6 
 5   5 
 4   4 
 3   3 
 2   2 
 1   1 
  a b c d e f g h  

Eines ist ganz klar: Der weiße Läufer auf c6 bietet dem schwarzen König Schach. Deswegen ist hier Schwarz am Zuge. Wie Sie eben erfahren haben, kann Schwarz seine kleine Rochade also nicht machen, weil er im Schach steht. Die große Rochade ginge deswegen natürlich auch nicht, selbst wenn ein schwarzer Turm auf a8 stehen würde.
Wie ist es mit Weiß ? Die große Rochade fällt flach, weil der weiße Läufer auf c1 dazwischen steht. Und die kleine Rochade ? Wenn Sie sie einmal probeweise durchführen, werden Sie bemerken, daß dann der weiße König durch den schwarzen Läufer auf c5 in ein Schach zieht und das ist gegen die Regeln. Das war ja ganz einfach, oder ? Nun, in Abbildung 21 kommen wir zu den etwas komplizierteren Regeln:

Abb. 21
  a b c d e f g h  
 8   8 
 7   7 
 6   6 
 5   5 
 4   4 
 3   3 
 2   2 
 1   1 
  a b c d e f g h  

Welche Rochaden wären hier möglich ? Die schwarze große Rochade jedenfalls nicht, denn der dafür notwendige schwarze Turm auf a8 steht dort eben nicht. Er ist zwar in der Nähe und auf der richtigen Reihe und Seite, aber eben nicht auf dem Eckfeld a8.
Wie ist es mit der schwarzen kleinen Rochade ? Schwarz steht nicht im Schach und würde es nach der kleinen Rochade auch nicht. ABER: Der weiße Läufer auf d6 hat "freien Blick" auf das Feld f8 und über dieses Feld müßte der schwarze König ja während der kleinen Rochade gehen. Deswegen geht hier für Schwarz nix ! Wenn dagegen z.B. irgendeine schwarze Figur auf dem Feld e7 stehen würde, sähe die Sache freilich anders aus.
Darf Weiß die kleine Rochade machen ? Werfen Sie bitte einen Blick auf den schwarzen Springer g3. Er beherrscht das Feld f1 und über das müßte ja der weiße König marschieren. Also wieder nix, selbst wenn weiße Bauern auf f2 und g2 stehen würden. Sie erinnern sich, der Springer kann ja drüberhüpfen.

Ganz perplex war einst ein Schachkamerad von mir, als ich behauptete, daß Weiß jedoch die große Rochade machen könnte. Würden nicht die schwarze Dame auf a8 und der schwarze Turm auf b8 auf b1 in diese Rochadestellung hineinblicken ? Na und ? Der weiße König muß für die große Rochade nur über die Felder d1 und c1 und die hat keine schwarze Figur im Blickfeld. Ja, die weiße große Rochade ist möglich.

So, bis auf eine kleine und eher selten zur Anwendung kommende Ausnahmeregel haben wir jetzt alles diskutiert, was notwendig ist, eine regelrechte Partie Schach zu spielen. Und deswegen werden wir diese kleine Regel, die das Schlagen mit dem Bauer betrifft, in Ihrer ersten kleinen Schachpartie erklären.

Hier geht es zu Teil 2 !


Lösung 1: Die Bauern a6 und b6 können sich je nach Zugrecht schlagen und der Springer auf b5 kann den Bauern auf a7 umlegen.

Lösung 2: Nein ! Dort wäre er im Schach durch den weißen Springer !

Lösung 3: Der schwarze König stand zwischen seinem Turm und dem weißen König. Wenn der schwarze Monarch also die f-Linie verläßt, bedroht damit der schwarze Turm den weißen König (Schach ! )

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