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DGT Travel 960. Digitale Schachuhr für die Westentasche.
Winning Pawn Structures

Winning Pawn Structures
von Alexander Baburin

Batsford 1998
Taschenbuch - 256 Seiten - Sprache Englisch
bei AMAZON


Strategie der Bauernformationen

Die Schacheröffnungen bestimmen, welche Stellungen im Mittelspiel auf´s Brett kommen. Dabei sind Eröffnungen oder Eröffnungsvarianten mit diversen Bauernformationen assoziiert, die wiederum - im größeren oder auch zu vernachlässigenden Umfang - bestimmte Pläne implizieren. Der Einfluß der Bauernformationen auf das Gleichgewicht in der Stellung sollte nicht überschätzt werden, weil die dynamischen Faktoren wie Figurenaktivität, Kräftekonzentrationen und Entwicklung das moderne Schach prägen. Allerdings... selbst das mächtige Wasser muß zunächst an Hindernissen vorbeifließen, bevor es sein B(r)ett findet - so lehrt das Tao . Und somit kann sich dynamisches Spiel nur dann reibungsfrei entwickeln, wenn man den der Bauernstruktur angemessenen Plan findet. Deswegen ist das Studium von Bauernformationen alles andere als verschwendete Zeit, selbst wenn das eigene Eröffnungsrepertoire diese oder jene Formation in der eigenen Praxis a priori unwahrscheinlich zu machen scheint.
In diesem Cookie und den nächsten drei Fortsetzungscookies sollen die gebräuchlichsten Bauernformationen mit ihren assoziierten Plänen kurz vorgestellt und nach Möglichkeit durch Partien veranschaulicht werden.


Teil 1 - Symmetrische Bauernformationen

Die symmetrischen Bauernformationen gelten (zu Unrecht) als etwas langweilig, da gerade in diesen spiegelbildlichen Strukturen das Figurenspiel dominant ist, während die von der Bauernstruktur gegebenen Pläne für beide Farben an sich identisch sind. Lediglich der Entwicklungsvorsprung macht die eine Seite zum Strategen, die andere zum Destruktor der Strategie. Die Erläuterung der Pläne im folgenden Text gilt also auch Schwarz, soweit Schwarz die Initiative an sich gerissen hat.


Typ 1








Verlassenes Zentrum, symmetrische Bauernflügel

Diese Bauernformation, auf die man vor allem in der Russischen Verteidigung, aber auch bei anderen Königsbauernspielen (z.B. Schottisch, Mittelgambit) trifft, hat wenig Einfluß auf die Spielgestaltung. Dynamische Faktoren wie Entwicklung, Konzentration und Aktivität der Figuren bestimmen das Spiel bzw. den Plan. Bleiben diese Kriterien beidseitig auf etwa gleichem Level, verbleibt die Position unbeschadet kleinerer Defekte in der Bauernstruktur im dynamischen Gleichgewicht. Die Figuren streben zum Zentrum, die Schwerfiguren in die offenen Linien.

Partie 1: (Als weiteres Beispiel siehe auch hier)

Smith (2275) - Ferguson (2371)
Englische Nationalliga 1999 [C22]

1.e4 e5 2.d4 exd4 3.Dxd4 Sc6 4.De3 Sf6 5.Ld2 Le7 6.Sc3 d5 7.exd5 Sxd5 8.Dg3 Sxc3 9.Lxc3 Lf6 So spielte schon Tschigorin gegen Snosko-Borovski in Petersburg 1906. 10.Lb5 0-0 In Polgar,J - Timman, Hoogoven-Turnier 1999 war Schwarz die Initiative und Entwicklung wichtiger als Defekte in der Bauernstruktur. Er zentralisierte die Dame: 10...Dd5 11.Lxf6 gxf6 12.Lxc6+ Dxc6 13.0-0-0 Ld7 14.Da3 Db6 15.Te1+ Le6= (½/59) 11.Se2 Lf5 (11...Te8) 12.Lxc6 bxc6 13.Lxf6 Dxf6 14.0-0-0 Tab8 (14...Tfe8) 15.Dc3 Dh6+ 16.Kb1 Tbd8 17.Sd4 Lg4?! Analog des o.g. Dogmas war die Zentralisierung des Läufers vorzuziehen: 17...Le4 18.f3 Ld5 += 18.f3 Lc8 19.Sxc6 Txd1+ 20.Txd1 Dxh2









Stellung nach 20. ... Dxh2

Weiß beherrscht das Brett - vor allem das Zentrum - und übt seine Macht auch sofort überfallartig aus. Eine Frage: Erscheint Ihnen die schwarze Rochadestellung sicher ? Im Prinzip schon... 21.Dc5 g6 21...Dxg2 22.Dxf8+ Kxf8 23.Td8#; 21...Te8 22.De7; 21...f6 22.Dd5+ Kh8 23.Df7 22.Se7+ Kg7 23.Dd4+ Kh6 In dieser "verklemmten" Position gehört der schwarze König auf die Liste der bedrohten Arten. 24.Sxc8 Txc8 25.g4 Te8 26.f4 Dg2 27.a3 Um Spielchen mit der Grundlinienschwäche zu unterbinden, z.B. 27.g5+ Kh5 28.Dg7 Td8 29.Dxh7+ Kg4 und Weiß hat´s doch etwas schwerer. 27...Te4 28.Df6 Te3 29.g5+ Kh5 30.Dxf7 De4 31.Dxh7+ Kg4 32.Dd7+ Kg3 33.Dxc7 und Weiß gewann (1-0/54)


Typ 2








Volles Damenbauernzentrum, symmetrisch

Diese Struktur entsteht annähernd ausschließlich durch Damenbauernspiele wie z.B. dem Colle-System oder dem Torre-System. Der natürliche Plan besteht im Vorstoß e4, was in der Regel jedoch schwer zu verwirklichen ist. Alternativ und häufiger wird der Vorstoß c4 angestrebt, womit sich der Kampf eher auf dem Damenflügel denn im Zentrum abspielt. Die "Halbwertzeit" dieser Formation z.B. zugunsten Typ 3 oder Typ 4 ist allerdings nicht sonderlich hoch.

Partie 2:

Siebe (2080) - Kondziela (1800)
E-Mail-Match 1998 [A45]

1.d4 Sf6 2.Lg5 Se4 3.Lf4 d5 4.Sd2 Lf5 5.e3 e6 6.Sxe4 Lxe4 7.Se2 Le7 8.c4 c6 8...dxc4 9.Sc3 Ld3 10.Lxd3 cxd3 11.Dxd3 = Gurgenidze -Agzamov, URS 1982. 9.Sc3 Lg6 10.Le2 0-0 11.0-0 Sd7 12.h3 dxc4 In Piket - Maus, Hamburg 1991 ging´s nach 12...Te8 13.a3 Lf8 14.Lg3 dxc4 15.Lxc4 e5 16.d5 Sb6 17.La2 cxd5 18.Sxd5 Le4 19.Sc3 Ld3 20.Df3 Df6 21.Dxf6 gxf6 += etwas "unordentlicher" zur Sache (½/45). 13.Lxc4 c5 14.Lb5 cxd4 15.Dxd4 Sf6 16.Tad1 Dxd4 17.Txd4 Tfd8 18.Tfd1 Txd4 19.Txd4 Td8 Lediglich die größere Aktivität seiner Figuren sichert Weiß einen kleinen Vorteil. 20.Tc4 Kf8 21.Tc7 a6 22.Le2 b5?! Besser war 22...Td7 23.Tc8+ Td8 24.Txd8+ Lxd8 25.Ld6+ Le7 26.Lxe7+ Kxe7 27.Lf3 b5 28.b4 Se8 29.Lb7 Sc7 mit Endspielvorteil auf der Seite von Weiß. 23.Ta7 b4 24.Sa4 Lb1 Vielleicht hätte der Versuch 24...Sd5 25.Lxa6 Sxf4 26.exf4 Td1+ 27.Kh2 Ld6 gelohnt. 25.Lc7 Td2 26.Ta8+ Se8 27.Lxa6 f6? Der entscheidende Fehler. Nach 27...Le4 28.Tc8 Tc2 (28...Lc6 29.Sb6 Txb2 30.Lg3+-) 29.Ld8 Lxd8 30.Txd8 Lc6 31.b3 Txa2 32.Tb8 hätte Weiß jedoch schon großen Vorteil. 28.Lb5 Lg6 29.e4 Lf7 30.Lf4 Td1+ 31.Kh2 e5 32.Le3 Td8 33.Txd8 Lxd8 34.b3 Sc7 35.Lc4 Le7 36.Sc5 Ke8 37.Kg3 Lxc4 38.bxc4 g6 39.Kf3 h5 40.Ke2 Kd8 41.Sd3 Sa6 42.f4 1-0


Typ 3








Volles Damenbauernzentrum, symmetrisch, offene c-Linie

Eine der "langweiligsten" Bauernformationen im Mittelspiel, wie sie insbesondere in der slawischen Abtauschvariante auf´s Brett geklatscht wird. Ähnlich wie bei Typ 1 spielen hier dynamische Faktoren die wesentliche Rolle, wobei die Zentralbauern jedoch nicht selten derartig im Weg sind, daß die Stellungen eher "kühl" bleiben. Strukturell können aber auch die Verteilung der "guten" bzw. "schlechten" Läufer oder (seltener) die Etablierung von Vorposten auf e5/c5 das Gleichgewicht verschieben.

Partie 3:

Salov - Bareev
Interzonenturnier 1992 [D12]

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 Lf5 5.cxd5 cxd5 6.Db3 Dc7 7.Ld2 e6 8.Lb5+ Sc6 9.Lb4 Weiß wünscht seinen schlechten Läufer zu tauschen. 9...Lxb4+ 9...Ld6 ist zur Zeit angesagt: 10.0-0 0-0 11.Lxc6 bxc6 12.Lxd6 Dxd6 13.Sbd2 Sd7 14.Tfc1 ½-½ in Bacrot - Pelletier, Young Masters 1999. 10.Dxb4 De7 11.Lxc6+ Man beachte feine Unterschiede: Portisch spielte gegen Zhu Chen, Veterans vs Ladies 1998, zuerst 11.Dxe7+ Kxe7 12.Lxc6, was aber nicht genau ist, nämlich wg. 12...Tac8 13.Se5 bxc6 14.Sd2 c5 15.Sb3 c4 mit Vorteil für Schwarz (0-1/68). Achten Sie also immer auf die Reihenfolge Ihrer Züge ! 11...bxc6 verpasst Schwarz einen schwachen Bauern in der halboffenen c-Linie. 12.Dxe7+ Kxe7 13.Sc3 Sd7 14.Sa4 f6 Das bewährt sich nicht. Schwarz verfolgt nun einen unangemessen aktiven Plan anstatt vorerst in der "Bauchlage" zu bleiben. 14...Thc8 wurde an dieser Stelle mehrfach gespielt, wonach Schwarz in der Regel zurechtkam, z.B. 15.Tc1 Kd6 16.Kd2 f6 17.Tc3 Le4 18.Thc1 e5 19.Se1 Tab8 20.b3 exd4 21.exd4 Benjamin - Zhang Zhong, Saintly Cup 1999 (½/56). 15.Tc1 Sb6 16.Sc5 a5 17.Sh4 Lg4? 17...Sd7 führt jedoch auch zu klarem Endspielvorteil für Weiß. 18.h3 Lh5 19.Sxe6 Kxe6 20.Txc6+ Kd7 21.Txb6 Thb8 22.Txb8 Txb8 23.b3 a4 24.g4 axb3 25.axb3 Txb3 26.Ke2 Tb2+ 27.Kf3 Lf7 28.Sf5 g6 29.Sh6 Le6 30.Ta1 Tb7 31.h4 g5 32.hxg5 fxg5 33.Th1 1-0


Typ 4








Latente Zentrumsmajorität, Damenbauer im Zentrum

(Typ 4 ist natürlich - wie jetzt mancher mit Kopfschütteln bemerkt - keine symmetrische Formation. Der Typ wird in diesem Teil wegen seiner Verwandtschaft mit Typ 2 behandelt.) Diese Struktur ist eine der gängigsten Bauernformationen, wie sie z.B. aus dem Damengambit, der Abtauschvariante im Caro-Kann (Typ 4a) oder sogar der Nimzoindischen Verteidigung entstehen kann. Weiß hat zwei grundsätzliche Pläne zur Auswahl: Plan 1 ist natürlich der Minoritätsangriff (b2-b4-b5), f.e. zur Schaffung von Bauernschwächen (Bc6, Isolani d5) - Experten des Damengambits langweile ich bereits. Plan 2 ist die Durchsetzung des Vorstoßes e4 - nicht selten durch f3 vorbereitet -, der dann angebracht ist, wenn der Bauer d4 nicht anfällig wird und Weiß im Endergebnis das Läuferpaar zur Verfügung hat. Die schwarzen Möglichkeiten - neben Unterbindung der weißen Pläne - liegen in der halboffenen e-Linie. Mit der Etablierung eines Vorpostens auf e4 eröffnen sich Aussichten für einen Königsangriff. In Typ 4a sind neben den Farben dann schlicht die o.g. Pläne vertauscht... soweit die Entwicklung und die Aktivität der Figuren die betreffende Strategie zulassen. Erwähnt werden sollte aber auch noch, daß in 4a bzw. der Abtauschvariante im Caro-Kann der Hebel c4 (Panow) gespielt wird, was aber auf Anzugsvorteil und nicht der Bauernstruktur basiert. Und zum Isolani kommen wir später noch...

Typ 4a








Typ 4, vertauschte Farben

Partie 4:

Gavrikov (2605) - Campora (2550)
Biel 1995 [D36]

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 exd5 5.Lg5 Le7 6.e3 0-0 7.Ld3 Sbd7 8.Dc2 c6 9.Sf3 Te8 10.0-0 Sf8 11.Tab1 Le6 12.b4 a6 12...Tc8 13.Sa4 S6d7 14.Lxe7 Dxe7 15.Sc5 Sxc5 16.bxc5 und der Druck am Damenflügel gewährleistete Vorteil für Weiß in Naumann - Pichler, BL98/99 (1-0/58). 13.Tfc1 Ld6 14.a4 Tc8 15.e4









Stellung nach 15. e4

Das ist sicherlich analog der "Typenbeschreibung" oben. Aber auch Schwarz ist noch im Besitz des "Säuferpaars". 15...dxe4 16.Sxe4 Le7 17.Sc5 Tc7 18.Te1 h6 19.Lf4 Ld6 20.Se5 Die schwarzen Figuren sind gut postiert, so droht Schwarz z.B. die e-Linie zu übernehmen und der Bauer d4 beginnt verwundbar zu werden. Weiß muß aufpassen, daß er das Gleichgewicht nicht verliert. 20...Sd5 21.Lg3 Tce7 22.b5 axb5 23.axb5 f6 24.Sf3 24.Sg6 Sxg6 25.Sxe6 (25.Lxg6? Lf5) 25...Txe6 26.Txe6 Txe6 27.Lxd6 Dxd6 28.Lxg6 sollte ausgleichen, z.B. 28...Sf4 29.bxc6 bxc6 30.d5! Sxd5 31.Dxc6 Dxc6 32.Tb8+ Te8 33.Txe8+ Dxe8 34.Lxe8 und dieses Endspiel ist ausnahmsweise nicht von Interesse. 24...Lc8 25.Txe7 Txe7 26.bxc6 bxc6 27.Se4 Lxg3 28.hxg3 Ld7 29.Dc5 Le8 30.Sd6 Se6 31.Da3 g6 32.Tc1 Kg7 33.Kh2 Sf8 34.Sxe8+ Dxe8 35.Dc5 Tc7 36.Lc4 Sd7 37.Da5 S7b6 38.Ld3 g5 39.Tb1 Sc8 40.Dc5 Sce7 41.Te1 Db8 42.Lc4 Db4 43.Te6 g4 44.Se1 Dxc5 45.dxc5 Sb4 46.f3 ½-½

Partie 5:

Piket (2570) - Timman (2620)
Wijk an Zee 1996 [D35]

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Sbd7 5.cxd5 exd5 6.Lg5 c6 7.e3 Le7 8.Ld3 Sh5 9.Lxe7 Dxe7 10.0-0 Shf6 11.Dc2 0-0 12.Tfe1 g6 13.a3 Sb6 14.b4 Te8 15.b5 c5 16.dxc5 Dxc5 Der weiße Standardplan wäre u.a.U. die "Massage" des Isolani d5. Dummerweise steht hier der Bauer nicht mehr auf b2, in der c-Linie gibt´s deswegen "weiche" Stellen (f.e.c3). Piket besinnt sich auf einen anderen möglichen Hebel: 17.e4 Df8 17...dxe4? 18.Sxe4 Sxe4 19.Dxc5 Sxc5 20.Txe8++-; 17...d4? 18.Sd5+- 18.Dd2 Baburin schlägt 18.e5!? vor. 18...Le6 19.a4 Tad8 20.Dg5 dxe4 21.Lxe4 Sbd5 22.Sxd5 Sxe4 23.Txe4 Txd5 Nach kurzem Blitz und Donner löst sich alles in Wohlgefallen auf. 24.De3 Dc5 25.Tc1 Dxe3 26.fxe3 Kf8 27.Sd4 ½-½

Partie 6:

Guadalpi (2260) - Flouzat (2225)
Montpellier 1998 [B13]

1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3 Sf6 5.c3 Dc7 6.Se2 e6 7.Lf4 Ld6 8.Lxd6 Dxd6 Weiß ist seinen schlechten Läufer los, Schwarz muß mit dem Lc8 leben - Das Leben ist hart. 9.Sd2 Sc6 10.Sf3 Ld7 11.0-0 0-0 12.Te1 Tab8 12...Tfe8 mit der Option ...e5 ist vielleicht genauer. 13.Sg3 b5 Schwarz startet systemgemäß den Minoritätsangriff... 14.a3 a5 15.Se5 Tfc8 16.Sh5 ...und Weiß seinen Angriff am Königsflügel. 16...Se8 17.Te3 Sxe5 18.dxe5 De7 19.Tg3 g6 19...b4? 20.Sxg7 Sxg7 21.Dh5 f5 22.exf6 Dxf6 23.Dxh7+ Kf8 24.Tf3 Sf5 25.Lxf5 exf5 26.Dxd7 +- 20.Df3 Kh8 20...b4 21.axb4 axb4 22.Sf6+ Sxf6 23.exf6 Dd6 24.Dh5 Df8 25.Lxg6 (25.Dh4 bxc3 26.Th3 h6 27.bxc3 e5 28.Tg3 Txc3-+) 25...fxg6 26.Txg6+ hxg6 27.Dxg6+ Kh8 28.Dh5+ mit remis !) 21.Sf4 Sg7 22.Dg4 b4 23.axb4 axb4 24.Th3 Le8? Der entscheidende Fehler. Nach 24...Kg8 ist für Weiß angriffsmäßig nicht mehr als der halbe Zähler drin, z.B. 25.Txh7 Kxh7 26.Sxg6 fxg6 27.Dxg6+ Kg8 28.Dh7+ Kf8 29.Lg6 Dg5 (29...Dc5? 30.Dh8+ Ke7 31.Dh4+ Kf8 32.Df6+ Kg8 33.Lf7+ Kf8 34.Lxe6+) 30.Dh8+ Ke7 31.Dxg7+ Kd8 32.Df8+ Kc7 33.Dd6+ und remis. Weiß wäre wahrscheinlich gut beraten, diesen Weg zu gehen, denn er kann seine Angriffsstellung nicht verstärken.] 25.Th6 Df8 26.Dh4 Dg8 27.cxb4 d4 28.De7 Mit 28.Sh3 -g5 sollte eigentlich alles sofort vorbei sein. 28...Sf5 29.Lxf5 exf5 30.Sd5 Dg7 31.Dh4 1-0 h7 ist nicht mehr zu verteidigen. Eine sehr instruktive Partie !


Typ 5








Damenbauernzentrum, symmetrisch, offene e-Linie

Diese Formation entsteht in der Regel über die Abtauschvariante in der französischen Verteidigung. Im Zentrum herrscht null Spannung und selbst der Hebel c4 kann die Voltzahl nicht wesentlich erhöhen. Wichtig sind natürlich die e-Linie und das Feld e5, das nach Möglichkeit mit einem Vorposten besetzt wird. Kommt es zur großen Rochade des Gegners, gewinnen der Vorstoß c4 und das Feld c5 an Bedeutung.

Partie 7:

Bucinskas (2248) - Pert (2425)
Yerevan 1999 [C01]

1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5 4.Ld3 Sc6 5.c3 Ld6 6.Df3 Le6 7.Lf4 Sf6 Ick gloob, det is´n neuer Zug. 7...Sge7 8.Se2 Sg6 9.Lxd6 Dxd6 10.Sd2 Sge7 11.0-0-0 0-0-0 12.Dg3 Lf5 13.Dxd6 Txd6 14.Lxf5+ Sxf5 15.Sf3 f6 , Sychyova - Hlgatian,Women's Open 2000 (½/22). 8.h3 0-0 9.Se2 Se4 Schwarz "erobert" handstreichartig den Vorposten e4.









Stellung nach 9. ... Se4

10.0-0 Wenn 10.Lxe4?, so 10...dxe4 11.Dxe4 Lc4 12.Le3 (12.d5 Lxe2 13.dxc6 Te8) 12...f5 13.Df3 f4 mit Gewinnstellung für Schwarz. 10...f5 Der Textzug befestigt zwar e4 betonmäßig, hat aber auch Schattenseiten: Er macht den Le6 zum "Deppen" (= noch schlechterer Läufer). 11.Lxd6 Dxd6 12.Df4 De7 13.h4 Weiß behagte die Stellung nach 13.Te1 g5 14.Df3 wohl nicht. Der Bauer h4 ist jedoch eine gute Angriffsmarke für Schwarz. 13...h6 14.f3 g5 15.hxg5 hxg5 16.Dc1 Sd6 17.f4 g4 Schwarz hat als Resumee der Eröffnung etwas bessere Chancen. 18.De3 Sc4 19.Dc1 Natürlich gibt man den guten Läufer nicht weg mit 19.Lxc4? dxc4 Und schauen Sie ´mal auf das tolle Feld d5 ! 19...Tf6 Schwarz schielt zur h-Linie. 20.b3 Sd6 21.De3 Th6 22.Sd2 Kf7 23.Sg3 Te8 24.Tfe1 Df6 25.Sdf1 Th4 25...Ld7 sieht verlockend aus, aber: 26.Df2 Se4 27.Lxe4 (27.Sxe4? fxe4 28.Lc2 Se7 29.Sg3 Teh8 und Weiß geht´s nicht gut.) 27...fxe4 28.Se3 Einmal mehr kann man sehen, das Springer ideale Blockadefiguren vor Bauern sind. Dagegen ist der schwarze Läufer gar kein Strahlemann. Es könnte folgen 28...Se7 29.Tad1 Teh8 30.c4 c6 31.Kf1 Th2 32.Ke2 Weiß hat die besseren Perspektiven. 26.Lc2 b5 27.a3 a5 28.b4 Thh8 29.Tad1 Te7 30.Dc1 Ta8 Auf beiden Seiten scheint ein wenig Ratlosigkeit zu herrschen... oder saß beiden Spielern der Zeitnotaffe im Genick ? 31.Se3 Dh4 32.Kf2 Dh6? 32...Df6 sollte = sein. 33.Sexf5 Lxf5 34.Lxf5 Df6 35.Lb1 35.Lxg4 erschien Weiß wohl vor allem auch unter Zeitdruck zu risikobehaftet - er hat seinen Mehrbauern ja schon. 35...axb4 36.axb4 Tae8 37.Th1 Te3 38.Sf1 Te2+ 39.Kg1 Se4 40.Th5 Se7 Die Zeitkontrolle ist überstanden: Weiß hat einen Mehrbauern, Schwarz dagegen einen Turm auf der 2.Reihe. Doch die weiße Stellung sieht nur optisch stark bedroht aus, der blondschöpfige Monarch ist gut verteidigt. 41.Ld3 Ta2 42.Lxe4 dxe4 43.Db1 Te2 44.Sg3 Te3 45.Sxe4 Dg6 46.Te5 Kf8 47.Te1 Txe1+ 48.Dxe1 Sc6 49.Txe8+ Dxe8 50.Kf2 Df7 51.Kg3 Se7 52.Sg5 Sf5+ 53.Kxg4 Sh6+ 54.Kg3 Sf5+ 55.Kf2 Dh5 56.De6 Sd6 57.Dh3 Dg6 58.Dd7 Dc2+ 59.Kg3 Se4+ 60.Sxe4 Dxe4 61.Dd8+ Kf7 62.Dxc7+ Kf8 63.f5 Kg8 64.Df4 De1+ 65.Kh2 Dxc3 66.Dg3+ 1-0


Typ 6








Königsbauernzentrum, symmetrisch, offene d-Linie

Diese Bauernstruktur ergibt sich z.B. in der Philidorverteidigung oder im geschlossenen Spanier. Es gibt Analogien mit Typ 5 bezüglich der offenen Linie und Vorposten. Da diese Stellungen aber üblicherweise mit kurzen Rochaden gespielt werden, ist hier der Hebel f4 wesentlich schärfer als c4 bei Typ 5. Ein Vorposten auf f5 fällt ebenfalls weit gefährlicher aus.

Partie 8:

Frumkin - Skeels
Fernpartie USA 1992 [B07]

1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5?! Halte ich bereits für fragwürdig. Ja, ja, ich weiß - x GM´s spielen diesen Zug, u.a. auch Timman hat 3...e5 versucht. Trotzdem, gerade die vorliegende Variante zeigt, daß an diesem Zug was faul ist. 4.dxe5 dxe5 5.Dxd8+ Kxd8 6.Lg5 Le6 7.0-0-0+ Sbd7 8.f4! exf4 9.Sf3 Lc5?! Besser war 9...h6 10.Lxf4 c6 , aber zu beneiden ist Schwarz auch dann nicht. 10.e5 Le3+ 11.Kb1 h6 12.Lh4 12.exf6 hxg5 13.fxg7 Tg8 14.Sxg5 Txg7 15.h4 sieht auch gut für Weiß aus. 12...g5 13.Sxg5 hxg5 14.Lxg5 Th5 15.Lxf6+ Ke8 16.Le2 Sxf6 17.exf6 Th6 18.g4 Txf6 19.Lf3 Weiß blockiert den schwarzen Freibauern. Schwarz hat so seine Probleme mit dem weißen "Durchmarschierer". 19...Td8 20.g5 Tg6 21.h4 c6 22.Se4 Ld5 23.h5 Te6?! 23...Lxe4 24.hxg6 Txd1+ 25.Txd1 Lxg6 wäre technisch noch eine Aufgabe für Weiß gewesen. 24.Sf6+ Txf6 25.gxf6! Lxf3 26.Txd8+ Kxd8 27.h6 Ld4 28.Tf1 Lxf6 29.Txf3 1-0


Typ 7








Volles Königsbauernzentrum, symmetrisch

Diese potentiell durchaus spannungsgeladene Formation entsteht z.B. aus so altehrwürdigen Eröffnungen wie dem Giuoco Piano oder dem Vierspringerspiel, aber auch nach 1.Sf3 (z.B. Ungarisch i.A.) kommt sie auf´s Brett. Weiß hat die Wahl zwischen der Vorbereitung von d4 mittels c3 oder dem Vorstoß f4. Schwarz kann sich gegen Letzteres mit ...h6 und ...g5 wenden oder aber am Damenflügel vorgehen.

Partie 9:

Basagic - Kosir
Nova Gorica 1992 [C28]

1.e4 e5 2.Sc3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.d3 d6 5.Sge2 Le7 6.0-0 0-0 7.f4 Sa5 Eine Variante aus dem vorletzten Jahrhundert ! 7...exf4 8.Lxf4 Sa5 9.Lb3 Sxb3 10.axb3 c6 11.h3 d5= Von Bardeleben -Blackburne, London 1895. 8.h3?! Der m.E. etwas zu radikale weiße Plan ist, den Punkt d5 (und damit auch den schwarzfeldrigen schwarzen Läufer) quasi zu versiegeln, während er schnell mit seinen Bauern am Königsflügel vorstößt. Für die Schwächung seiner Bauernstruktur bekommt er zwar auch noch die halboffene d-Linie, wenn aber Schwarz zu ...d5 kommt, ist schnell die Luft raus. 8...Sxc4 9.dxc4 c6 Und prompt trachtet Schwarz nach dem Hebel ...d5. 9...exf4 10.Lxf4 Le6 11.b3 Sd7 12.Sd5 Se5 kam auch in Frage. 10.Dd3 Dc7 11.f5 Td8 12.g4 Sd7 Wahrscheinlich zu früh wäre 12...d5?! 13.cxd5 cxd5 14.exd5 Sxd5 15.Sxd5 Dc5+ 16.Le3 Dxd5 17.Dxd5 Txd5 18.Tad1 mit Entwicklungsvorteil für Weiß. 13.Df3 a6 14.f6!? Weiß ist spät dran, bald kommt dann doch ...d5 mit Macht. Also schreitet Basagic zum Angriff. Der f-Bauer war schlicht seiner eigenen Armee im Wege. 14...gxf6 15.g5 Kh8 16.Dh5 Tg8 17.Kh2 Tg6 18.Sg3 Dd8 18...Sb6 19.b3 Le6 20.gxf6 (20.Sf5 fxg5) 20...Lxf6 und Weiß hat nichts außer einem Minusbauern. 19.Sf5 Sc5 Noch immer erscheint 19...Sb6 möglich. 20.Le3 Se6 21.Tad1 Sxg5 22.c5 De8 Die schwarze Lage wird schon schwieriger. 22...Lxf5 23.exf5 Tg7 24.h4 und der arme schwarze Gaul... 23.cxd6 Ld8? Nach 23...Lf8 scheint Schwarz sich vorerst halten zu können. Doch nach 24.Lxg5 fxg5 25.Tg1 h6 (25...Lxf5? 26.exf5 Txd6 27.Se4 Txd1 28.Sxg5 h6 29.Sxf7+ Dxf7 30.Dxf7 Txg1 31.Kxg1 +- ) 26.h4 behält Weiß weiterhin Angriff. 24.d7 Lxd7 25.Sd6 De6 26.Lxg5 fxg5 26...Txg5 27.Sxf7+ Kg8 28.Sxg5. 27.Txf7 h6 28.Txd7 1-0


Fortsetzung...


Copyright © 24.03.2003 Thomas Siebe

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