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Tango 2000 - Kleine Tanzschule

 

Wir kennen alle diese Situation: In der Partie bietet sich plötzlich die Chance zu einer Kombination. Schön und elegant schaut sie aus, jeder Zug fügt sich effektvoll an den anderen und so mancher spielt sie nur deswegen, weil sie "geht". Am Ende aber stellt sich diese Chance als strategische Katastrophe heraus, die Stellung ist kaputt, die Bauern sind geschwächt, das Endspiel ist verloren und man muß sich gegenüber den MannschaftskameradInnen für das letzte Erdbeben im Iran rechtfertigen. Taktisch sah´s schön aus, strategisch dagegen... Scheiße ! In unserer Cookie-Partie jedoch baut der Herr Gegner Weiß strategischen Mist und Schwarz widerlegt ihn... taktisch - und zwar ohne das sich da Zug harmonisch an Zug fügt. Nein, es ist ein positionelles Opfer, auf das der Normalschächer bei Gelegenheit oft nur deswegen verzichtet (soweit er es überhaupt in Betracht zieht) , weil es nicht spektakulär ausschaut, sich nicht Zug zwangsläufig an Zug fügt, weil es un-berechenbar ist. Manchmal sollte man eben seinem Schachgefühl vertrauen und wenn Herr Adontaki dann noch Endspielprinzipien verinnerlicht...

 

Davidenko - Adontaki

Griechische Meisterschaft 2000, A50

1.d4 Sf6 2.c4 Sc6 Welcome on the dancingfloor ! Warum diese Eröffnung Tango heißt ? Vielleicht weil die beiden schwarzen Gäule in diesem System so eng zusammen auf dem Brett herumtanzen...?!









Voila, der Tango !

3.Sc3
Ein Beispiel mit 3.d5 : 3...Se5 4.Dd4 Sg6 5.e4 e5 6.Dd3 Lc5 7.Le3 Lxe3 8.Dxe3 0-0 9.Sc3 d6 10.g3 c6 0-1 Svela - Efimov, Gausdal 1991 (24);
3.Sf3 e6 führt dagegen zu zum Teil recht eigenwilligen Motiven, die z.B. an den Nimzoinder erinnern, z.B. 4.Sc3 Lb4 5.e3 0-0 6.Ld3 d6 7.0-0 Lxc3 8.bxc3 e5 Clavijo -Yermolinsky, New York Open 2000 (0-1/29).
3...e5 4.d5 Se7 5.e4 Sg6 Womit die Rappen die typische Tangoposition eingenommen haben...









Stellung nach 5. ... Sg6

6.Le2 Stilproben anderer Zugalternativen:
6.Ld3 Lc5 7.h3 (7.Sge2? Sg4 8.b4 Sxf2 9.Db3 Sxd3+ 0-1 Collier -Yermolinsky, Open 1993) 7...d6 8.Sge2 0-0 9.Sa4 Lb4+ 10.Kf1 c6 11.a3 La5 12.b4 Lc7 13.Sac3 cxd5 14.cxd5 Se8 15.g3 f5 16.exf5 Lxf5 17.Lxf5 Txf5 und die Stellung war ungefähr ausgeglichen in Gurevich - Dzindzichashvili US Meisterschaft 1993 (1-0/40);
6.Le3 Lb4 7.f3 0-0 8.Sge2 d6 9.a3 Lc5 10.Dd2 Sd7 11.g3 a5 12.Lh3 Sb6 13.Lxc8 Sxc4 14.Dd3 Sxe3 15.Lf5 Se7 16.Kd2 c6 17.Tae1 cxd5 18.Sxd5 S7xf5 19.exf5 Sxd5 20.Dxd5 Dg5+ 21.Kc2 Dxf5+ 22.De4 Dxe4+ 23.fxe4 0-1 Simantsev - Poluljahov, Pocztowy Open 1999.

The Black Knights' Tango

von Georgi Orlov

Taschenbuch - 128 Seiten

Preis: DM 41,66 (Keine Versandkosten)

B.T. Batsford 1998

Um auf den Geschmack zu kommen, können Sie mit einem Click auf das Zip-Symbol rund 700 Tangopartien im pgn-Format aus dem Zeitraum 1990-2002 downloaden. Orlov schreibt über sein Buch:

Dieses Buch unterscheidet sich grundsätzlich von der 22 Seiten umfassenden Broschüre, die 1992 bei ICE erschien. Seitdem hat sich in den letzten 5 Jahren eine Fülle von Material angesammelt. Viele Abspiele sind völlig neu, einige alte Analysen komplett widerlegt. Viele Partien von Großmeistern wurden berücksichtigt. Unter englischen Großmeistern hatte das Buch eine große Resonanz. GM Paul Motwani schrieb: "My first quick dip in the Tango book immediately revealed that the author has done a very thorough job of covering lots of variations and presenting them in a neat easily accessible format."

6...Lc5 7.Dc2 Trachtet mit der Deckung des Bauern e4 wohl schon nach Expansion am Damenflügel. Allerdings wird Weiß über die eigenwillige Jagd nach dem schwarzen Läufer seine Entwicklung vernachlässigen. 7...0-0 8.a3 d6 9.Sa4 b6 Das sieht irgendwie merkwürdig aus, ich kann mir nicht helfen. Vielleicht liegt es daran, daß der Durchschnittsschachspieler wie ich den Springerausflug nach a4 mit 9...Ld4 10.Sf3 c5 zu einem geflügelten Wort verarbeitet hätte: Außer Spesen nichts gewesen. 10.Sxc5 dxc5 11.Le3 Lb7 Das ermöglicht Weiß, seine Damenflügelbauern doch noch ohne Probleme in Marsch zu setzen. 11...a5 halte ich deswegen für besser. Warum sollte man es dem Gegner leichter als nötig machen ? 12.b4 Das ist zwar der standardmäßige Break, aber Weiß ist doch etwas ungeduldig, parkt doch der Springer g1 immer noch in der Garage... 12...cxb4 13.axb4 c6 13...a5 14.bxa5 bxa5 15.Sf3 ist jetzt natürlich wesentlich besser für Weiß. Was ? Freibauer ? Aber bitte ! Dieser Boarderliner... 14.b5?!








Stellung nach 14. b5

Im Ansatz ist dieser Gedanke nicht unrichtig: Weiß scheint die Bildung eines Freibauern zu erzwingen, blockiert auch bauernregelgerecht mit einem Bauern zwei gegnerische Agronome. Zudem ensteht ein möglicher Stützpunkt auf c6. Aber schauen wir doch einmal genauer hin: Wenn Schwarz nun die Blockade mit ...c5 ebenfalls betreibt, wie soll Weiß eigentlich den Stützpunkt auf c6 nützen. Und was hat er von diesem Freibauern, vor den sich binnen kürzester Zeit durch Se8-d6 die ideale Blockadefigur schieben wird (und die Bauern c4 und e4 böse anblickt)? Und endlich, wie kann Weiß in der blockierten Stellung auf ...a6 reagieren ? Wie gesagt, im Ansatz nicht unrichtig, aber strategisch... falsch ! Der strategisch richtige Vorstoß in dieser Position wäre übrigens c4-c5, allerdings... derzeit taktisch unklug :-). Nach dem korrekten 14.Sf3 cxd5 15.exd5 b5 sind die Chancen m.E. gleich verteilt. 14...cxb5 Schwarz reagiert jedoch nicht mit dem strategischen Florett, sondern mit einer taktischen Urzeitkeule: Denn der weiße König ist in der Mitte verblieben (womit auch der konsequente weiße Break f2-f4 noch in weiter Ferne wäre) und Weiß hat seine Figuren noch immer nicht ganz entwickelt. 15.cxb5 Sxe4!









Stellung nach 15. ... Sxe4

Die Konsequenzen sind an dieser Stelle eine Sache des Blicks über den Daumen. Mit dem eher positionellen denn taktischen Opfer versucht Schwarz, Nutzen aus der verzögerten Entwicklung des Weißen zu ziehen. Ein Bauerngespann, ein Riesenläufer und Selbstbewußtsein sind die Basis. 16.Dxe4 Lxd5 17.Dg4 f5 18.Dh3 De7 19.Sf3 f4 20.Ld2 e4









Stellung nach 20. ... e4

21.0-0!? Ansonsten gerät Weiß in einen vernichtenden Angriff, z.B.:
21.Sd4 f3 22.Ld1 (22.Lf1 e3 23.fxe3 Sf4-+) 22...e3 23.fxe3 Sf4 24.Lxf3 Lxf3 (Aber nicht 24...Sxh3? 25.Lxd5+ Kh8 26.Lxa8 Txa8 27.gxh3) 25.Dxf3 (25.Dg3 Sxg2+) 25...Sd3+ 26.Ke2 Txf3 -+.
21.Dh5 Dd6 22.Sg5 h6 23.Sh3 f3 24.gxf3 (24.Ld1 fxg2 25.Tg1 Se5 26.Le2 Sd3+ 27.Lxd3 exd3 ist nicht besser als die Hauptvariante.) 24...exf3 25.Tg1 Tf6 26.Txg6 Txg6 27.Ld3 Tf6 -+ Schwarz hat überwältigenden Angriff, zur Analyse empfohlen.
21...exf3 Schwarz geht auf Nummer Sicher. Nach 21...Le6 22.Lb4 erhält Weiß überflüssige Chancen, z.B. 22...Lxh3 (22...De8 23.g4 fxg3 24.Dxg3 exf3 25.Lxf3) 23.Lxe7 Sxe7 24.Sg5 und 25.Lc4+. 22.Lxf3 Lxf3 23.Dxf3 Schwarz hat nun einen Bauern mehr, aber der zählt noch nicht besonders, denn das Extrahölzchen ist ein deprivierter und "verklemmter" Randbauer, der streng von einem gegnerischen Turm betrachtet wird. Da ist die Initiative doch viel wertvoller. 23...Dg5 24.Db3+ Kh8 25.f3?! Was sollte das ? Wollte Weiß seinem Läufer mehr Auslauf geben ? Hatte er Angst vor ...f3 ? 25...Sh4 Himmeldonnerwetternochmal ! Da opfert Schwarz schön im positionellen Stil, erreicht eine tolle Stellung mit Materialvorteil und nun gibt er der ersten plumpen Mattdrohung, die auf dem Brett auftaucht, nach ! Die Türme gehören in die offenen Linien und der a-Bauer braucht Deckung. Wie läßt sich das wohl vereinbaren ? Richtig, ein Turm auf die 7.Reihe und dann ist der Eckensteher freigestellt: 25...Tfd8 26.Ta2 Td7 27.Lc3 Te8 und jetzt kann man als Schwarzer in aller Ruhe gegen den weißen Monarchen vorrücken. 26.Tf2 Tf6?! Schwarz rennt der Illusion nach, man könne einen Mattangriff aus dem Boden stampfen. 27.Lc3? Neiiiiiiiin! Chance verpaßt ! Nach 27.Te2 Tg6?! (27...Tff8 28.Kh1=) 28.Kh1 Sf5 (28...Sxg2?? 29.Tg1) 29.Txa7 dreht Weiß die Partie um. Im Hinblick auf die folgenden Züge vermute ich aber auf beiden Zeiten mangelnde Seitenressourcen... Ja,ja, ist ein Buchstabendreher, wollte ´mal sehen, ob Sie auch aufmerksam "trainieren"! 27...Tg6 28.Taa2 Tc8 29.Tae2 Dc5 Es droht ...Txg2+, natürlich aber noch kein Figurengewinn wg. der schwachen Grundreihe. 30.Df7?! 30.Kh1 Tg5 mit Vorteil für Schwarz, aber wohl doch die bessere Wahl 30...Df8!? Na ja, einfacher ist 30...Sxf3+ 31.Kh1 Tf6!-+. 31.Dxf8+ Txf8 32.Te7 Td8 33.Ld2 Nach 33.Tfe2 h6 34.Kf1 Td1+ 35.Le1 Sf5 hat Weiß Verluststellung. Am besten ist noch 36.Te8+ Kh7 37.Kf2 Sd6 und der b-Bauer läßt sich auf Dauer nicht halten. 33...Sxg2 34.Txg2 Txg2+ 35.Kxg2 Txd2+ 36.Kh3 g6?? Sperrt selbst seinen König auf der 8.Reihe ein. Tiefes Schweigen legt sich über das Brett, denn wie in jedem Horrorfilm erwartet man nun, daß Weiß es mit gleicher Härte zurückzahlt ! Nach 36...h6 37.Txa7 Td5 38.Kg4 Txb5 39.Kxf4 entsteht eine Gewinnstellung für Schwarz. Vergleichen Sie mit der Stellung weiter unten! 37.Txa7 Tb2









Stellung nach 37. ... Tb2?!

38.Tf7?! Kollektiver gellender Aufschrei im Kino, der Höhepunkt eines Horrorendspiels steht kurz bevor. Wird Schwarz es wagen, diesen Kelch ganz zu leeren (Alle Zuschauer wissen, der Trank ist von Übel...) ? 38.Kg4 Txb5 39.Kxf4 ist für Schwarz dagegen kaum zu gewinnen. Thema eines extra Endspielcookies ?! Mailen ! Über die folgende Mißhandlung des Endspiels decken wir nun - mit einer Ausnahme, man darf ja wohl noch Aua schreien, wenn´s schmerzt - den gnädigen Mantel des Schweigens.... aber so grauenvoll haben nicht einmal die Lämmer geschwiegen, sage ich Ihnen ! 38...Txb5 39.Txf4? Auuuuuuuuuuuuaaaaaaaa!!!
39.Kg4!   mußte es sein. Fast so etwas wie ein Anticlimax, wenn Sie wissen, was ich meine... Nach 39...Tb4 40.Kg5 Kg8 41.Tb7 Tb5+ (41...Kh8?? konstruiert ein lehrreiches Selbstmatt in spätestens 4 Zügen: 42.Kf6 h5 43.Kxg6 usw.; 41...Tb2 42.Kf6) 42.Kxf4 ist prinzipiell die o.g. Stellung entstanden. 39...Tf5 40.Tb4 Txf3+ 41.Kg4 Tf6 42.h4 Kg7 43.Tb5 h6 44.Td5 Kf7 45.Td7+ Ke6 46.Th7 h5+ 47.Kg5 Ke5 48.Tg7 b5 49.Tb7 Tf5+ 50.Kxg6 Kf4 51.Th7 Kg4 52.Td7 Tc5 53.Td4+ Kf3 54.Kf6 Ke3 55.Tb4 Kd3 56.Ke6 Kc3 57.Tf4 b4 58.Kd6 Tc4 0-1 Was lernen wir daraus ?
1. Tanzt du Tango mit den Gäulen, fehlt´s dir nicht an Keulen (oder platten Zehen).
2. Sei auf der Hut vor dem Mut, wenn dir ein Griech´ gibt sein Viech.
3. Die Gesundheitsministerin warnt: Wer Endspiele mißbraucht, spielt mit seinem Ende oder (b)raucht Mißt !


Copyright © 24.03.2003 Thomas Siebe

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